Ist das Glas „halbvoll oder halb leer“?

Frauenwortgottesdienst
Bildrechte: Vera Dohle-Schäfer

Frauenwortgottesdienst am Dienstag, den 27. Oktober 2020. Wie geht es uns mit der Dankbarkeit beim Blick auf unser Leben? Dieser Frage ging ein ökumenischer Gottesdienst ("nicht nur für Frauen!") am letzten Dienstag im Oktober nach. Ausgehend von der alttestamentlichen Josefsgeschichte versuchte das Vorbereitungsteam eine Antwort zu finden, wie wir es mit schweren Lebenssituationen im Rückblick aushalten können. Josef war von seinen neidischen Brüdern verraten und nach Ägypten verkauft worden. Als diese Brüder dann Jahre später hilfesuchend bei ihm auftauchten, hatte er die Kraft ihnen Versöhnung anzubieten und zu sagen: "Um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hierher gesandt. Ihr habt Böses gedacht, aber Gott hat es gut gemacht!"
Verschiedene Texte von Margot Käßmann standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Sie beschreibt darin, wie wichtig es ist, den inneren Frieden mit dem eigenen Lebensweg zu finden. Sicherlich war manche Abzweigung, für die wir uns entschieden haben, die falsche. Aber wir können nicht zurück. "Sich also nicht festbeißen an dem, was nicht gelungen ist, sondern mit Freude auf das zurückschauen, was möglich war. Das gibt uns eine Haltung der Dankbarkeit." Und Margot Käßmann ist sicher: "Es macht unsere Seele frei, wenn wir über Scheitern und Misserfolge auch mal lächeln können."
So können wir die Perspektive der Dankbarkeit auch einüben, wenn wir sehen, dass Zugang zu Nahrung, Bildung, Obdach und Gesundheitsversorgung nicht selbstverständlich sind, dass es Zeiten des Durchhaltens gibt.
So hätte der alttestamentliche Josef im Ärger versinken können: über seine Brüder, über seinen Lebensweg...
Aber er hat immer nach vorne gesehen und hat später mit viel Lebenserfahrung gemerkt, dass sein Leben gesegnet war und auch Segen für seine Familie brachte. Josef hätte sicher gesagt: "Mein Glas ist halbvoll."
Bild und Text: Vera Dohle- Schäfer