IMPULSE DER VERGANGENEN TAGE

 
Angedacht
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Sonntag, 31. Mai 2020
Die guten Geister

Pfingsten wird eine doppelte Premiere: Eigentlich hätten wir da, seit ich das für Schöllkrippen kenne, die Konfirmation. Doch leider ist ja in diesen Corona-Zeiten einiges anders. Die Konfirmation ist - leider - immer noch auf unbestimmte Zeit verschoben.
Zum ersten Mal gibt es also einen Pfingst-Gottesdienst für die „normale“ Gemeinde. In den letzten Jahren sind diese Menschen, die sonst gerne kommen, aus Rücksicht auf die Familien der Konfirmanden nicht in den Gottesdienst gekommen. Denn unserer Kirche hat ja doch eher einen kleinen Gottesdienstraum.
Also Pfingsten: alles anders!
Aber irgendwie passt das ja auch zum Pfingstfest: Gottes guter Geist kam da über die Menschen.
Gute Geister – so werden dann Menschen genannt, die gute Stimmung verbreiten und dafür wichtig sind, dass die vielen kleinen Dinge, die dazugehören, auch bewegt werden.
Manchmal lächelt man darüber, über die guten Geister. Und doch darf man sie eigentlich nicht vergessen. In jedem Verein, in jedem Chor, in jeder Firma, gibt es sie. Und die Menschen, die das wissen und die sie kennen, sind froh darüber. Wenn die guten Geister nicht da wäre und mit ganz großer Liebe wirken würden, da würde uns etwas ganz gewaltig fehlen.
Vielleicht denken wir diese Woche besonders an die „guten Geister“ und danken ihnen mit pfingstlicher Begeisterung!
Ihr Thomas Schäfer

Montag, 25. Mai 2020
Lebenslust und Lebenskunst

"Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle. Welch ein Singen, Musizieren, Pfeifen, Zwitschern, Tirilieren! Frühling will nun einmarschieren, kommt mit Sang und Schalle", so lautet’s in dem bekannten Frühlingsliedchen von Hoffmann von Fallersleben. Und ja, wen treibt der Frühling zwischen Himmelfahrt und Pfingsten nicht hinaus in die Natur?
Es ist die Zeit der Lebenslust, der Geselligkeit, des Aufatmens und auch der Liebe. Manchmal, wenn ich in diesen Tagen spazieren gehe, versuche ich, die Düfte, das Wachsen und Sprießen der Natur, die bunten Farben gleichsam aufzusaugen, so gierig bin ich nach Lebendigkeit und Lebenslust.
Und immer wieder in dieser Jahreszeit kommt mir dann der ‚Prediger‘ in den Sinn. Er hat viel nachgedacht über das Leben (vor weit über 2000 Jahren), wie es ist: Mal so, mal so! Mal zum lachen, mal zum weinen. Mal fröhlich, mal Kampf… Und dann enden seine philosophischen Überlegungen mit einem einfachen Lebensrezept: „Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich zu sein und sein Leben zu genießen. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“
Ja, eigentlich so einfach. Und doch so schwierig! Ich hatte mir diesen Satz mal eine Zeitlang an die Wand gepinnt. Damit ich immer mal wieder daran erinnert werde, was im Leben zählt. Denn ehrlich: Dass wir uns das Leben so oft so schwer machen, ich glaub nicht, dass das der Herrgott will. Gut zu leben, gelingend zu leben, wie wir in der Kirche gerne formulieren, ist da für mich die Lebenskunst, die es immer weiter zu entwickeln gilt.
Der Frühling, der Maien, die Natur, und ja auch die kirchlichen Feste in dieser Jahreszeit wollen uns dazu locken … ins LEBEN! Wollen uns beseelen, unserer Seele neuen LebensGEIST einhauchen. Pfingsten eben!
Also, vergessen Sie nicht zu leben!
Ihr Peter Kolb

Sonntag, 24. Mai 2020
"Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte."
Psalm 130,4
Mussten Sie das grade auch mehrmals lesen? Ich schon. Ich bin überrascht und unsicher, ob ich das richtig verstehe:
Angesprochen ist sicher Gott, das ist in den Psalmen eigentlich immer so. Der Psalmbeter sagt also: Gott, bei dir ist die Vergebung. Also: Von dir her, kann sie zu mir kommen. Vielleicht denkt er sich auch: "... und von sonst nirgendwo!" Auf jeden Fall weiß man, wenn man den Satz spricht eines ganz sicher: Mein Gott ist ein Gott der Vergebung kennt. Bei ihm ist die Vergebung und sie ist da nicht weggesperrt oder neutralisiert. Nein. Da wo Gott ist, da ist Vergebung.
Das ist für uns Christen ein wohltuender und wohltuend vertrauter Satz. Und ehrlich gesagt auch nichts Neues. Was an dieser Losung so besonders ist, ist die Verbindung zum zweiten Teil: "dass man dich fürchte." Und zwar gleich zwei Aspekte daran sind merkwürdig. Zuerst schon mal das "fürchte". Da wehrt sich in mir gleich etwas. Steht nicht die ganze Bibel voll mit "Fürchte dich nicht!"- Formulierungen? Ist unser Gott nicht einer, der sich lieben lässt? Jetzt sollen wir Angst haben?
Aber so ganz abwegig ist das nicht, mit dem Fürchten. Gerade das Alte Testament, in dem ja auch die Psalmen aufgehoben sind, kennt einige Geschichten, die einen das Fürchten vor Gott lehren. Seine Strafwunder gegen Sodom und Gomorrha, gegen die Ägypter und sogar gegen Israeliten, die sich nicht an die Gebote halten, gehören zu den einprägsamsten Geschichten der Bibel. Da fürchten sich die Menschen mit Recht. Da hast du, Gott, deine Macht gezeigt, dass man dich fürchte.
Aber Moment mal! So ging die Losung aber nicht. Ganz im Gegenteil. Um die Vergebung soll es doch gehen?! Und dann auch noch dieses "dass"! Für mich das größte Rätsel: "Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte."
Ein "obwohl man dich fürchtet" hätte mir ja noch halbwegs eingeleuchtet. Oder ein "trotzdem muss man dich manchmal fürchten". Beides steht hier nicht. Irgendetwas anderes geht hier vor. Dieses "dass" zeigt uns an: Unsere Idee von Furcht und "fürchten" bringt uns hier nicht weiter. Hier ist etwas anderes gemeint. "Jemanden fürchten" kann in der Sprache der Bibel auch heißen: "ehrfürchtig sein", "sich jemandem unterordnen" oder am schönsten: "jemandes Größe anerkennen".

Und so funktioniert - wenigstens für mich - auch diese Losung. Ich bete mit den Gedanken des Psalms:

Großer, liebender Gott,
Du siehst all unsere Gedanken, Worte und Taten
Wir könnten vor deinem prüfenden Blick nicht bestehen.
Doch du liebst uns und lässt unsere Fehler nicht zählen.
Wir müssen keine Angst haben vor deinem Urteil.
Du vergibst. Bei dir ist Vergebung - alle Vergebung der Welt.
Du bist ein großer, ein großartiger Gott.
Die ganze Schöpfung, Himmel und Erde erzählen davon.
Und die Vergebung, die von dir ausgeht, sagt es auch:
Du bist größer als Sünde und Schuld.
Du bist größer als die Welt und der Tod.
Wir sind dankbar und ehrfürchtig: Unser Gott ist ein großartiger Gott
Amen

Ihr Vikar Tobias Mangold

Freitag, 22. Mai 2020
Ambivalenz im Paradies

Unseren Himmelfahrtsgottesdienst gestern feierten wir an der Rodberghütte: Echt ein kleines Paradies. Das brauch ich gerade. Ein schöner Ort und liebe Menschen, das tut der Seele gut.
So könnte ich mir gut das Paradies vorstellen: ein großartiger Ausblick, blauer Himmel, Rauschen der Blätter, Summen der Bienen, friedliche Stimmung. Es fehlt nur noch Bratwürstchenduft!
Die Rede vom „Paradies“ ist ein uralter Mythos, viele Religionen haben Geschichten dazu: Der Dichter Hesiod 700 vor Christus sprach von einem „Goldenen Zeitalter“, einer vollkommenen Zeit vor unsrer Welt. Und die Welt in der wir drinstecken, dafür fand er die Bezeichnung „Eiserne Welt“.
In der Bibel steht das „Paradies“ für Garten mit vielen unterschiedlichen Bäumen, die Gott für die Menschen hat wachsen lassen.
Der Begriff „Paradies“ kommt aus dem Persischen. Er bedeutet ursprünglich „Wildpark“! Der griechische Dichter Xenophon beschreibt mit diesem Wort „Paradies“ den Wildpark des Königs Kyros. Der König ist dann der Hüter des Parks. In der Bibel wäre dann der Mensch, Adam, so etwas wie Hüter, Jagdpfleger dieses Wildparks.
Doch es störte etwas unser Paradies: Rostige Technik ragte in den Himmel, ein Bauzaun, Erdhaufen, Container um einen Bohrturm: Die Schöllkripper suchen nach neuen Wasserquellen -  eben doch kein Paradies, wenn so etwas hier rumsteht!
Es sind ja auch keine gerade paradiesischen Zeiten mit diesem Virus. Kein Ort der Welt, und scheint er noch so paradiesisch zu sein, wurde da bisher davon verschont.
Die Rede vom Paradies ist ein mythisches Bild, nicht „Realgeschichte“. Eher ein Gegenentwurf zur realen Welt und den Erfahrungen des Alltages. Eine Geschichte, die uns zeigt: dass das Leben, das wir haben, eigentlich fragil, nicht ganz beherrschbar ist. Dass das alles mit unserem Leben, Fragen, Forschen und immer mehr haben und sein wollen zu tun hat. Trotz aller Naturwissenschaften brauchen wir Mut und Ausdauer, sich dem zu stellen! Da können wieder die alten Bilder von Gott und dem Menschen ins Spiel kommen: Dass Gott uns dazu seinen Atem gibt, uns dazu lebendig macht, auf anderes Leben aufzuschauen und seine Schöpfung zu schützen: wir als Adams und Evas! So richtig klar wird einem das angesichts der schönen Natur und doch auch der Ambivalenz mit aller Technik, die wir auch zum Leben brauchen, und die hier draußen auch aufeinanderprallen in dem Wasserbohrer und dem Bauzaun und Corona und all dem.
Ihr Thomas Schäfer

Mittwoch, 20. Mai 2020
Morgen ist Himmelfahrt - Männertag - Wandertag

Ich freue mich auf den Gottesdienst an der Rodberghütte. Gottesdienste unter freiem Himmel sind für mich von jeher etwas ganz besonderes. Vielleicht liegt das daran, dass ich schon als Kind einfach ganz viel draußen war. Und das setzte sich dann fort. Als Jugendlicher war ich viel Wandern, Bergsteigen, auf Fahrradtouren und im Winter beim Skifahren oder auch auf Skitouren. In der Natur fühle ich mich meinem Gott einfach am nähesten.
Wenn mich als Jugendlicher etwas beschäftigt hat, dann war ich auch einfach draußen, bin gelaufen und hab mich da auch mit Gott verbunden, mit ihm "gesprochen", vielleicht, wie andere das mit einem guten Freund oder einer guten Freundin tun (das habe ich natürlich auch manchmal gemacht).
Es geht vielen Menschen, besonders Männern so, dass sie sich Gott in der Natur einfach näher fühlen. Jesus ist auch mit seinen Jüngern "unterwegs" gewesen, durch die Gegend gezogen. Bei Beerdigungsgesprächen höre ich das oft über Männer. "In die Kirche war er eigentlich nicht so oft." Und wenn ich dann nachfrage, nach Glauben, nach Spiritualität, dann höre ich häufig, "ja, das Draußen-Sein, das hat er geliebt, da hat er vielleicht auch Zwiesprache mit Gott gehalten" oder so ähnlich.
Ich verstehe das. Vielleicht habe ich auch deshalb gleich zugestimmt, als ich gefragt wurde, als Pfarrer ins Kleine Walsertal zu gehen. Da haben wir jede Woche im Sommer zwei Berggottesdienste gefeiert. Oben knapp unterhalb des Gipfels zu stehen, das Bergpanorama zu genießen, die Stille zu lauschen - und dann zu beten, zu singen, sich Gedanken über Gott und die Welt und das Leben zu machen. Die Seele baumeln lassen - was für ein Geschenk!
Vielleicht regt sich da auch ein ganz tiefer, in unserem Stammhirn verwurzelter, archaischer Wunsch nach dem Paradies, nach dem Urzustand...
Wie dem auch sei, ich freue mich jedenfalls auch Morgen, auf Himmelfahrt, auf den Gottesdienst draußen, droben an der Rodberghütte, zwischen Bäumen und duftender Wiese.
Ihr Peter Kolb

Dienstag, 19.Mai 2020
Unbequem

"So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?" Hesekiel 33,11
Die Losung für heute. Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht. Ich mag die Losung heute nicht. Ich mag nicht, wenn so mit mir gesprochen wird. Ich finde meine Wege nicht sehr böse. Und die Frage am Ende ist ja wohl auch unverschämt.
Ich könnte einfach die Losung von gestern nehmen, oder irgendein anderes Thema wählen... Aber nein, jetzt reizt es mich doch. Ich will mich nicht einfach abwenden, nur weil mir der Satz nicht gefällt. Ich will mich damit auseinandersetzen, mich mit meinem Verstand zur Wehr setzen. Zuerst will ich verstehen, wie es zu so einer Losung kommen kann. Warum und in welchem Zusammenhang stehen solche Sätze in der Bibel?
Ich schlage Hesekiel 33 auf und lese. Da spricht Gott zuerst über das Wächteramt. Wenn eine Stadt einen Wächter hat, und es geschieht ein Angriff und der Wächter sagt nichts, dann wird der Wächter von der Stadt für den Angriff mit verantwortlich gemacht. Das leuchtet ein, finde ich.
Gott spricht weiter:
"7 Dich aber, du Menschenkind, habe ich zum Wächter gesetzt über das Haus Israel. Wenn du ein Wort aus meinem Munde hörst, sollst du sie vor mir warnen. 8 Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: Du Gottloser musst des Todes sterben!, und du sagst ihm das nicht, um den Gottlosen vor seinem Wege zu warnen, so wird er, der Gottlose, um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern."
Es ist parallel aufgebaut: Wie der Angriff auf die Stadt stellt sich Gott selbst dar und seine Drohung, dass der Gottlose sterben muss. Und das Menschenkind mit dem er spricht - das muss dann Hesekiel sein - ist der Wächter. Und dem wird jetzt aufgetragen, seinen Job zu machen, den Job des Wächters:
"10 Und du, Menschenkind, sage dem Hause Israel: Ihr sprecht: Unsere Sünden und Missetaten liegen auf uns, dass wir darunter vergehen; wie können wir denn leben? 11 So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?"
Aber was ist jetzt passiert? Die Bedrohung, die Gefahr vor der der Wächter mit so drastischen Worten warnen soll, sie ist schon bekannt!? Das Haus Israel; die Menschen die gewarnt werden sollen, sprechen selbst schon davon. Sie selbst halten ihren Weg für Böse. Sie selbst haben Angst, deshalb zu sterben. Da greift Gott ein und sagt allen noch einmal klar und deutlich: Das ist nicht sein Wille. Er will das Leben. Und wenn jetzt eine Gesellschaft, ein Volk, oder ein einzelner Mensch sich auf einem Weg sieht, der nicht zum Leben führt, sondern zum Tod, dann braucht es eben manchmal einen der alle zur Vernunft ruft und sagt: "Na, dann macht halt nicht so weiter!" Es ist nicht die Drohung, die er verstärkt und weitergibt, sondern er zeigt auf, dass der Ausweg möglich ist. Und er wundert sich, verständlicherweise, warum er das überhaupt sagen muss. Nichts von dem, was er sagt, ist neu. Aber ich bin heute froh, dass ich ihn hören kann, noch nach Jahrtausenden.
"So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?" Hesekiel 33,11
Bleiben Sie behütet! - Ihr Vikar Tobias Mangold

Montag, 18. Mai 2020
Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Zugegeben, nicht allen ist gerade zum Lachen zumute. Während viele diese Zeit als heilsame Verlangsamung des Alltags erleben, bleibt für andere der Stress auf hohem Niveau: Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten zum Beispiel, die einen anderen Blick auf das Wetter haben und Regen und Sonne in gutem Maß brauchen.
Und Familien mit schulpflichtigen Kindern. Homeschooling und Homeoffice ist manchmal kaum unter einen Hut zu bringen. Immerhin: Erstklässler und Kinder aus der 5. Und 6. Klasse können jetzt zu den Abschlussklassen dazukommen. Wenigstens etwas Entlastung für Familien.
Also doch wieder etwas lachen?
Wenn bei mir dieser Tage die Stimmung zu kippen drohte, gehörte neben dem Musizieren ein Podcast des Bayerischen Rundfunks zu den Hilfsmaßnahmen: Jan Weiler´s Kolumne „Mein Leben als Mensch“, gesendet immer sonntags kurz vor Zwölf. Seine Analyse der Pubertät in „Das Pubertier“ hat uns als Eltern einfach gut getan, weil das leidvolle Erleben nicht das letzte war, sondern mit einer Prise Humor gewürzt wurde.
Deswegen höre ich auch jetzt immer mal wieder Jan Weile – und weil er im Öffentlichen rechtlichen Rundfunk zu hören, darf ich da jetzt auch mal Werbung dafür machen.
Ja, "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". So ein Sprichwort. Das trotzdem ist mir heute wichtig. Dem Leben eine humorvolle Seite abtrotzen und auch mal über sich selbst lachen, ist allemal gesünder, als trotzig gegen Regeln zu protestieren, die einem nicht passen.
Ja, ich finde auch manches fragwürdig. Aber die Nächstenliebe denkt einfach auch an den anderen und nicht nur an sich selbst.
Auch dafür brauche ich Humor und wünsche mir und anderen, dass uns das Lachen nicht vergeht. Übrigens: In der Bibel findet sich „lachen“ nur an wenigen Stellen, das Wort „Humor“ gar nicht. Aber der Sache nach sind viele biblische Geschichten gar nicht ohne Humor zu denken. Etwa der Turmbau zu Babel, bei dem die Menschen einen Turm bis in den Himmel errichten wollen und Gott doch noch ein gewaltiges Stück „hernieder“ fahren muss um sich das anzusehen.
Also das Lachen als gesunde Selbstbegrenzung für heute nicht vergessen!
Ihr Thomas Schäfer

Sonntag, 17. Mai 2020
Hilft beten?

Eine kleine Anekdote zu dieser Frage: Ein armer, gläubiger Mann betet zu Gott:  "Lieber Gott, bitte lass mich doch wenigstens einmal im Leben im Lotto gewinnen."
Am nächsten Tag betet er wieder: "Herr, bitte mach, dass ich im Lotto gewinne." So geht das Tag für Tag. Nach einem Jahr betet der Mann immer noch: "Lieber Gott, bitte lass mich auch doch endlich einmal im Lotto gewinnen."
Eines Tages nachdem der Mann wieder so gebetet hatte, tönt eine tiefe, laute Stimme vom Himmel: "Guter Mann, gib mir doch endlich mal eine Chance und kauf dir einen Lottoschein!"
Diese kleine Anekdote zeigt, wann beten eben nicht hilft. Also, nicht Alles Beten hilft.
Am heutigen Sonntag geht es darum,  Was und Wie wir beten sollen.
Jesus meint dazu:
"Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.  Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.  Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet."  (Matthäus 6, 5-7)
Meine Gebete sind ganz oft lautlos. Gedankenschnipsel, die ich Gott schicke, Bitten, die ich dem Himmel übergebe, Dank der mein Herz erfüllt und den ich ihm zuwerfe, Sorgen, die ich ihm übergebe. Ein gedankliches Zwiegespräch zwischen Gott und mir.
Und so sollen wir beten (das Vater Unser in anderer Übersetzung): Unser Vater, der du mitten unter uns bist – nicht weit weg, sondern da, in unserer Nähe.
Du bist heilig, wie dein Name (heilig ist).
Dein Reich kommt, wenn dein Wille geschieht, auch auf Erden.
Gib uns auch heute das, was wir brauchen, am Leib und an der Seele.
Vergib uns, wenn wir Böses tun und Gutes unterlassen.
Und schenke uns die Kraft, denen zu verzeihen, die an uns schuldig geworden sind.
Mach uns frei, von allen Übeln dieser Welt.
Denn dein Reich ist hier und deine Kraft und deine Herrlichkeit.
Jetzt -  so, wie in Ewigkeit. Amen.
Ihr Peter Kolb

Samstag, 16. Mai 2020
"Wie ein Rauch"

Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen!
Ein altes Prophetenwort! Aufgeschrieben im Buch Jesaja. Es ist schwer zu sagen, wann genau. Aber alt ist es. Uralt. Und so klingt es auch. Man kann sich den Propheten gut dazu vorstellen. Ein alter Mann mit Bart. Ein langer Umhang, vielleicht mit einer lose fallenden Kapuze. Gestützt auf einen knorrigen Stab. Eine alte, tiefe, volle Stimme. Die Augen klar und hell, den Zeigefinger leicht gekrümmt erhoben, um seinen Worten noch mehr Gewicht zu geben.
    Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen!
    Und die Erde zerfallen wie ein Kleid.
Man schaut ihn sich gerne an, den alten Propheten auf der Straße zwischen den alten Lehmhäusern. Man hört ihm gerne zu. Seine Bilder regen die Fantasie an. Er beschreibt das große Weltschicksal, die kosmischen Zusammenhänge mit mächtigen Worten und einer ruhigen Stimme. Wie das wohl sein wird, dereinst, in einer fernen Zukunft, wenn der Himmel vergeht wie ein Rauch? Wenn die Erde zerfällt?
    Und die darauf wohnen werden wie Mücken dahinsterben!
Oh! Seine Stimme bleibt ruhig. Auch seine Augen bleiben hell und klar. Aber seine Zuhörerinnen und Zuhörer werden nervös. Das ist zu konkret. Mancher geht unbewusst einen Schritt zurück. Andere fahren sich reflexartig durch die Haare. Das ist unbequem. Furchtbar vertraute Bilder und Erinnerungen flackern durch die Köpfe. Kriege und Krankheiten kennt man nur zu gut. So schön vage und abstrakt waren die Bilder davor. Eine Welt, die leise und sanft irgendwann ein Ende findet, einschläft. Davon soll er erzählen, der Prophet. Aber dass die, die auf dieser Welt wohnen dahinsterben wie die Fliegen, das ist doch grässlich - grässlich direkt und wirklich... Da fährt der Prophet fort:
    Aber mein Heil bleibt ewiglich!
Sein Heil. Sein Schalom. Gottes liebende, heilige und überfließende Vollkommenheit. Wenn der Prophet davon spricht, dann leuchten seine Augen noch ein wenig heller. Dann wird seine Stimme fester, jünger und durchdringender. Das Heil des ewigen Gottes bleibt. Des Gottes, der die Welt erschaffen hat, sie erhält und in ihre Vollendung führt. Der über unser Werden, unser Leben und unser Sterben wacht. Sein Heil bleibt ewiglich. So vage und mystisch, wie ein Rauch. So konkret menschlich und real wie unser Sterben. So und in all dem und über alles hinweg bleibt sein Heil in Ewigkeit.
Bleiben Sie behütet!  - Ihr Vikar Tobias Mangold

Freitag, 15. Mai 2020
„Der Herr erhörte unser Schreien“
Wissen Sie noch, was eine Losung ist? Das Erkennungswort, das ausgegeben wird um sich voreinander auszuweisen?! Mein Rechtschreibprogramm wittert schon einen Fehler und schlägt mir gleich das Wort „Lösung“ vor. Nein, ich meine jetzt wirklich „Losung“.
An Kennworte müssen wir uns täglich erinnern, die wir für den PC brauchen, um unsere Programme nutzen zu können, damit es auf dem PC weitergeht.
Die Losung hier ist aber etwas Anderes: Ein biblisches Wort, von der Brüdergemeinde in Herrenhut wirklich für jeden Tag ausgelost. Als persönliche Passwort kann es Orientierung geben. Oder mich erinnern: Diese Geschichte, dieses Wort gehört auch zu den Themen unseres Glaubens.
Die Tages-Losung für heute finden Sie ja auch – wie stets auf unserer Homepage gleich auf der Startseite im violetten Kästchen:
Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.“  5.Mose 26,7
Eine Erinnerung an die Geschichte von Moses und dem Volk Israel. Jahrzehnte unterdrückt und „eingesperrt“ unter der Knute des Pharaos, als billigste Arbeitskräfte missbraucht. Dann endlich ging es in die Freiheit. Um auf diesem langen Weg der Freiheit ins „gelobte Land“ zu lernen, dass es die eigene Freiheit nur zusammen mit der Freiheit des anderen gibt. Die biblischen Gebote erzählen davon, sie prägen ja unsere Ethik bis heute.
Aber mir ist jetzt für diesen Tag wichtig: „Der Herr hörte unser Schreien“ Das war die fundamentale Erfahrung, dass Gott hört, auf das kleine menschliche Schicksal eingeht und sogar reagiert.
Worauf hört er heute, wenn ich dieses Wort als meine Losung wähle, mein Passwort für diesen Tag? Wie fühlt sich mein Leben an, wenn ich vertraue, dass einer weiß wie es mir geht, weil er mich hört!
Eine gute Losung, eine gute Hilfe, auch wenn sich dadurch nicht alles gleich im Sinne einer guten „Lösung“ ergibt!
Ihr Thomas Schäfer

Donnerstag, 14. Mai 2020
Wie weiter?

Das frage ich mich in den letzten Tagen häufig. Wie weiter mit unseren Kindern, die nun seit 11 Wochen zu Hause sind und endlich mal "elternfrei" bräuchten? Wie weiter in der Schule mit dem Religionsunterricht, wenn Kinder nur elementar in den zentralen Fächern unterrichtet werden können? Wie weiter im Miteinander mit Masken und Abstand, wenn der zwischenmenschliche Kontakt mit Umarmen, Trösten und auch mal Blödeln so nicht möglich ist?
So langsam beginnt bei sich mir die Gewissheit, dass diese Situation noch eine ganze Weile so bleiben wird, mit den zunehmenden Alltagserfahrungen auch gefühlsmäßig zu setzen und vielleicht unser Miteinander sogar für immer verändern wird. Und ich erlebe, wie der sich langsam neu etablierende Alltag viel mühseliger, aufwändiger ist. Es braucht mehr Zeit, mehr Vorlauf, es braucht mehr Konzentration die Gehwege von anderen abzuschätzen und die eigenen danach zu orientieren, mehr Planung, den Einkaufzettel nach den Produkten im Supermarkt vorab zu sortieren, etc..
Da verstehe ich die Ungeduld von manchen, die jetzt auf die Straße gehen, weil es ihnen reicht, mit dem Virus...
Mir reicht es auch!
Trotzdem, das rechtfertigt nicht, alle Schutzmaßnahmen ja nicht nur für sich selbst, sondern dann immer auch für Andere, unter den Tisch fallen zu lassen. Trotzig sich zu brüsten, mir kann das Virus nichts anhaben. Denn: Wir wissen es nicht. Erst langsam schält sich ein Bild seiner zerstörerischen Kraft heraus.
Vielleicht befällt es ja gar nicht alle, sondern nur bestimmte Menschen. Aber eben auch Kinder, die schwer erkranken, Sportler, die "symptomfrei" das Virus durchleben, dann aber eben doch erhebliche Schädigungen an Lunge und Gehirn haben.
Im Katastrophenstab des Landratsamtes, zu dem ich ja auch gehöre, erlebe ich, wie wir uns ernsthaft und unter Abwägung von Schutz auf der einen Seite und Eingriff in die persönlichen Bedürfnisse auf der anderen Seite, Gedanken machen, was an Maßnahmen sinnvoll ist und was überzogen. Natürlich wissen wir heute schon mehr als gestern und im Nachhinein wird man sich bei manchem Denken, das hätte man sich sparen können. Aber das ist im Leben immer so, hinterher ist man schlauer, wie zuvor (anders als Goethe).
Deshalb ärgert mich das trotzige und bewusste Ignorieren von Sicherheitsmaßnahmen.
Oder, um es dann doch mit Goethe zu sagen:
Da steh' ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!
Heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm, meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!

Wie wahr …. Ihr Peter Kolb

Mittwoch, 13. Mai 2020
Mittendrin

Sind wir auf dem Höhepunkt der Krise? Geht sie gerade zu Ende? Oder erst richtig los? Niemand scheint es zu wissen. Dabei hätte ich gerne einen Fahrplan; einen Spannungsbogen, der Anfang, Höhepunkt und Schluss vorsieht; ich hätte gerne ein Drehbuch, nach dem das alles abläuft und in dem ich nachlesen könnte, wo in der Geschichte wir uns befinden. Kommt jetzt einfach das Happy End? Müssen wir uns auf einen nächsten Plot-Twist, eine plötzliche, dramatische Wendung vorbereiten? Wir wissen es nicht. Ich weiß es nicht. Alles was man sagen kann ist: wir sind mitten drin. Es hat vor Monaten angefangen und es wird noch weitergehen.
Es wird vielleicht normaler werden. Es ist ja schon normaler geworden. Nicht nur durch die Lockerungen der letzten Tage. Auch in uns. Viele kleine und große Kämpfe und Krisen sind schon ausgefochten. Man arrangiert sich. Im Radio habe ich gehört: Einige Beziehungen sind schon in die Brüche gegangen, in dieser Zeit. Andere haben sich gefestigt. Verlobungen und Trennungen, so oder so: es geht weiter, wird von Tag zu Tag mehr die neue (oder alte) Normalität.
Für mich ist auch eine andere Zeit gerade Normalität: Ostern! Schon über einen Monat her wurde es als das große, die Zeit bestimmende Fest noch nicht abgelöst. Der Kalender des Kirchenjahres spricht nach wie vor von der österlichen Freudenzeit. All die vergangenen Sonntage (Quasimodogeniti, Misericordias Domini, Jubilate, Kantate) leiten ihre Botschaft von Ostern ab. Und es geht weiter, bis Pfingsten. Da sind wir gerade mitten drin. Ohne es zu merken, meistens. Auch ich merke von Ostern gerade nicht viel. Nicht, dass ich mich auch manchmal freuen würde, wie es die österliche Freudenzeit ja "befiehlt". Aber wenn ich draußen spazieren gehe, brauche ich kein Ostern, um mich zu freuen. Der Mai wäre, wenn ich ehrlich bin, auch ohne Kirchenjahr mein liebster Monat. Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen. Freue ich mich nicht richtig?
Vielleicht.
Vielleicht kann ich mich manchmal zusätzlich freuen. Darüber, dass ich eben nicht nur mittendrin in der Corona-Krise lebe, nicht nur mittendrin in der schönen Natur, die jetzt so prächtig grün vor Leben nur so strotzt. Nicht nur mittendrin in meinem eigenen Lebenslauf. Sonder dabei immer auch mittendrin in der Liebe Gottes. In seiner Auferstehung durch Christus. Mittendrin in seiner ewigen österlichen Freudenzeit.
Ich muss gleich an das Lied vom Hirtensonntag Misericordias Domini denken:
    Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
    Ich vergnügtes Schäfelein?
    Denn nach diesen schönen Tagen
    werd ich endlich heimgetragen
    in des Hirten Arm und Schoß.
    Amen, ja mein Glück ist groß!
Bleiben Sie behütet! Ihr Vikar Tobias Mangold

Dienstag, 12. Mai 2020
„Wieder ein kleiner Sieg! - Den langen Atem behalten“

Also so schnell und so einfach geht das wohl alles nicht mit den Lockerungen. Das ist in der Schule zu erleben, wo sich Lehrkräfte echt bemühen, nach den vielen teils widersprüchlichen Vorgaben für Schüler und sich gut zu handeln. Das war am Sonntag hier in der Kirche zu erleben: Immerhin zwanzig Menschen im Gottesdienst. Und die Stimmung war trotz Maske einfach gut!
Es wird noch länger dauern, noch lange dauern, bis aus der „neuen Realität“ eine gewohnte und eingeübte Realität werden wird. Wir werden einen langen Atem brauchen.
Was hat Ihnen denn geholfen in bisherigen Situationen, bei denen so ein Stück langer Atem gefordert war? Fällt Ihnen da eine Situation ein, wo es gelungen ist? Es ist nämlich sehr gut, genau jetzt genau daran zu denken! Das stärkt unsere Kräfte, das stärkt den langen Atem.
Ich denke an unsere bisherigen vielen Umzüge. Ein unendliches Stück Arbeit, einen ganzen Haushalt von A nach B zu bringen und sich vor Ort neu zu organisieren. Einmal hatten wir eine super gute Spedition als Umzugshilfe. Die Umzugshelfer arbeiteten erfahren und flott, alle Handgriffe saßen. Und trotzdem gab es da den Punkt der Erschöpfung.
Was den Leuten nicht ausging, war die gute Laune. Lächelnd sagte einer nach jeder gepackten und verstauten Kiste: „Wieder ein kleiner Sieg!“
Mir klingt dieser Satz heute noch in den Ohren. Und ich sehen auch das fröhlich lächelnde Gesicht des Packers dazu. Sie waren uns fast ans Herz gewachsen, die Umzugshelfer, mit dieser fröhlichen Stimmung. „Wieder ein kleiner Sieg!“
Vielleicht helfen uns solche Erinnerungen, jetzt auch den langen Atem zu behalten im „neuen Alltag“ und am Ende eines Tages dann selbst zu schmunzeln: „Wieder ein kleiner Sieg!“
Ihr Thomas Schäfer

Sonntag, 10. Mai 2020
"Kantate"

"Reduziertes Singen" ist das Gebot der Stunde. Wir dürfen wieder Gottesdienst feiern - unter strengen Auflagen. Ausgerechnet an Kantate, dem Sonntag dessen Name nichts anderes bedeutet als: "Singt!" sagen uns die Vereinbarungen und der Menschenverstand: "Aber leise!". Mit Mundschutz. Nicht viel. Nicht lang. Nicht laut. Wenig soll nach außen dringen. Wenig Aerosole vor allem, wenig Feuchtigkeit aus der Atemluft, wenig von uns soll nach außen dringen.
Umso prächtiger und lauter und fröhlicher wird das Bild für uns, das im Zweiten Buch der Chronik vom Festgottesdienst zur Einweihung des Tempels gemalt wird:

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Und das Haus war voll von Aerosolen. Eine Wolke breitet sich im Tempel aus. Die Anwesenheit Gottes wird offensichtlich. Ist das so gemeint im Text? Dass mit der Atemluft der Sänger und Trompeter auch der Geist Gottes, die Herrlichkeit des Herrn in den Tempel geblasen wird und die Wolke der Atemluft sichtbares Zeichen seiner Anwesenheit wird?
Heute gab es keine 120 Trompeten. Keine Leviten sangen wie aus einem Mund. Und es wurde - zum Glück! - keine Wolke sichtbar, als wir unsere Strophen in die Masken sangen. Und doch war es ein Fest unseres Glaubens. Gott war anwesend. Nicht sichtbar, aber spür- und hörbar. Und das nicht weil oder obwohl wir so oder so gesungen haben. Gott ist da, wo immer wir ihn brauchen, wo wir an ihn denken und zu ihm beten.
Wenn wir - aus welchen Gründen auch immer - leise sind; Wenn wenig von uns nach außen dringt, auch dann hört Gott nicht weg. Wie auch Jesus sagte, als er angeherrscht wurde, er solle seine lobsingenden Jünger zum Schweigen bringen: "Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien."
Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten Sonntag!
Vikar Tobias Mangold

 Samstag, 9. Mai 2020
„Fürchte dich nicht!“
Je länger diese Zeit dauert, desto nachdenklicher stimmen mich manche Äußerungen meiner Zeitgenossen. Was mir in der letzten Zeit öfters begegnet, sind Hinweise auf besondere Links, in denen die Verfasser angeblich über sicheres alternatives Wissen verfügen oder den Betrachter zu allen möglichen Aktionen anstiften wollen; unter anderem auch bei den Kirchengemeinden Räume für Veranstaltungen in diesem Sinne (dieser youtube-Gemeinschaft) zu öffnen.
Einige dieser Videos habe ich mir angesehen, um sinnvoll antworten zu können. Habe mich mühsam hindurchgequält. Viele Thesen werden da verbreitet, ein paar Strickmuster sind mir aber echt aufgestoßen: Anfänglich geäußerte Theorien wurden kurz danach als gesicherte Fakten wiedergegeben, die eigene Rede als unangreifbar ausgegeben und dann immer wieder massiv mit der Angst gespielt.
Ja, bei der Angst sind wir Menschen wirklich angreifbar: Wenn aus unseren Sorgen wirklich Angst wird. Wenn wir annehmen müssten, irgendwie wirklich hinters Licht geführt zu werden.
Da keimt bei mir Widerstand auf. Ich denke an den Anfang dieser Zeit, als Herr Drosten noch ein recht unbekannter Wissenschaftler war und handfest zu erleben war, wie sich Wissenschaft und Politik sich jeden Tag irgendwie durch die Krise tasten mussten. Und da soll dann die Lösung mit einem Mal in diesem angeblichen Sonderwissen liegen? Das Leben ist doch nicht nur in Krisenzeiten so: meistens weiß ich erst im Nachhinein, was wirklich wichtig und richtig war.
Was mich aber wirklich ärgert, ist dieses Spiel mit der Angst. Das halte ich für echt manipulativ. „Fürchte dich nicht!“ – Das ist die meistgebrauchte Aufforderung der Bibel. Ausgesprochen von Propheten, Engeln und sogar Gott in den Mund gelegt. Dann haben Menschen sich entschieden, sind aufgebrochen und haben sich dem Lauf der Dinge gestellt.
„Fürchte dich nicht!“ In diesem Geist wollen wir morgen Gottesdienst feiern, auch wenn wir nur knapp 50 Plätze anbieten können. Einige unsere Jugendmitarbeiter haben mir geholfen, die Stühle zu platzieren – natürlich mit Mundschutz! Mit Akribie haben sie gemessen, damit alle im richtigen Sicherheitsabstand sitzen. Sorgen wollen wir ernst nehmen, aber Ängste nicht schüren. Eher uns stärken zu eigenem Denken durch den, der immer wieder sagt: „Fürchte dich nicht!“

Ihr Thomas Schäfer

Freitag, 8. Mai 2020
An erster Stelle in den Überschriften der Nachrichten steht heute trotz Corona das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor einem dreiviertel Jahrhundert. Ich war überrascht und erfreut zugleich, dass dieses Datum nicht übersehen wird. Für viele mag es einfach ein Datum sein. Wer ist schon deutlich älter als 75 Jahre und kann sich an diese Zeit noch erinnern?! Wen betrifft es heute?
Als Pfarrer erlebe ich, dass nicht das Datum, aber diese Zeit viel, viel mehr Auswirkungen auf uns hat, als wir vermutlich meinen. Bei meinen Geburtstagsbesuchen oder auch bei Beerdigungsgesprächen höre ich immer wieder, wie sehr diese Zeit die Menschen, die Familien geprägt hat - und das bis in die 2. und 3. Generation - und welche unvorstellbar großen Auswirkungen sie auch auf der persönlichen Ebene hatte. Ein Volk das letztlich mehr oder weniger als Ganzes traumatisiert war. Eltern die schweigsam, in sich gekehrt, vermeintlich lieblos waren, weil ihnen das erlebte das Lebensglück raubte. Manche Ticks, die wir bei alten Menschen bis heute erleben können und die eben nicht einer persönlichen Unzulänglichkeit geschuldet sind, sondern den Schrecknissen in Kindertagen, die nie verarbeitet werden konnten.
Als Pfarrer lass ich mir gerne die Familiengeschichten erzählen und das ist bei den Evangelischen im Kahlgrund besonders interessant. Denn es waren die Flüchtlinge, die sich am Ende des Krieges als erste Welle hier angesiedelt haben. Vorher gab es so gut wie keine Evangelischen im Kahlgrund. Welche Einzelschicksale sich manchmal dahinter verbergen, kann man sich kaum vorstellen. Kinder, die ohne ihre Mütter hier angekommen sind. Wo die Väter waren, war den meisten sowieso nicht bekannt, sofern sie noch lebten. An Hab und Gut nur das, was man in Händen tragen konnte. Einem Haus, einer fremden  Familie zugewiesen, zu viert, fünft, in einem Zimmer.
Da ist ein junges Mädchen alleine im Flüchtlingszug, kommt aus der Stadt und will in die Stadt und denkt der Zug fährt nach Frankfurt weiter und in Kahl biegt er plötzlich nach Schöllkrippen ab. Aussteigen, Adresse zugewiesen bekommen und dort erst einmal wohnen. So beginnt ein Leben, das ab diesem Moment nicht nur in der Fremde, sondern auch mit ganz anderen Lebensumständen als erhofft, seinen Lauf nehmen wird. Und das aus willkürlichem Zufall. So erging es vielen, die in diesen Tagen der Wirren hier Fuß fassen mussten. Und manche sind letztlich nie richtig "angekommen", weil sie das Trauma der Vertreibung und Flucht nie aufarbeiten, die Familienangehörigen, die sie am Wegesrand einfach tot liegen lassen mussten, nie wirklich betrauern konnten.
Es ist gut, sich diese Geschichte an einem Tag wie heute vor Augen zu führen, um sich ein ganz klein wenig zu veranschaulichen, wie brutal und schrecklich jeder Krieg ist. Nicht umsonst ist die Bitte um Frieden von jeher ein zentrales Gebetsanliegen und jeden Tag um 12 Uhr rufen die Kirchenglocken zum Friedensgebet.
Bleiben Sie behütet, Ihr Peter Kolb

Donnerstag, 7. Mai 2020
Über-Übermorgen

"1 Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden.
2 Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben." - Hosea 6.
Ich habe schon einmal über diesen Text geschrieben. Und noch öfter über ihn nachgedacht. Er hängt nach wie vor in meinem Arbeitszimmer. Er hing auch schon in meiner Studentenwohnung über dem Schreibtisch. Er begleitet mich schon lange und sieht immer gleich aus. Ein geduldiger Text, der störrisch und stoisch auf Über-Übermorgen verweist. Schon immer. Seit er vor fast 3000 Jahren geschrieben hat, vertröstet er auf Über-Übermorgen. Und auch, was da passieren soll, bleibt immer gleich.
"3 Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; so gewiss wie die schöne Morgenröte bricht er hervor und kommt über uns wie der Regen, wie Spätregen, der das Land feuchtet."
Es wird werden. Alles wird gut. Über-Übermorgen. Die Sonne wird wieder aufgehen. Der Regen wieder fallen. Die Biergärten wieder geöffnet. Gottesdienste! Die Normalität kehrt zurück. Alles wird gut. Über-Übermorgen?
Noch nie war mein alter Text so verlockend. Selten war er so kurz davor, Recht zu haben. Und doch ist uns klar: Es beginnt nur langsam, besser zu werden. Der Trend kehrt sich um - vielleicht! Vorläufig. Die Hoffnung wird stärker. Doch es wird dauern. Also warten wir nicht auf Über-Übermorgen. Auch der Text von Hosea verlangt das nicht von uns.
Lasst uns stattdessen Acht haben. Lasst uns das Gute sehen, wo wir es erblicken. Mit offenen Augen annehmen, was uns Freude macht. Und Gott darin sehen. Er ist schon heute da. Nicht nur im Regen, sondern auch in der Sonne. Nicht nur im Morgen- sondern auch im Abendrot und allen Farben des Tages dazwischen. Und morgen auch. Und Übermorgen. Und Über-Übermorgen.
Bleiben Sie behütet! Ihr Vikar Tobias Mangold

Mittwoch, 6. Mai 2020
Geduld, aber bitte flott

„Herr, gib mir Geduld, aber flott“. So sagt ein bekanntes Gebet.
Seit gestern Abend höre ich von den Lockerungen, die fröhlich und stolz verkündigt werden. Es mag sein, dass vieles davon jetzt höchste Zeit wird, wenn ich an Familien denke oder kleine Betriebe oder, oder, oder. Immer wieder fallen mir da Menschen und Begegnungen ein.
Zugleich fallen mir aber auch Menschen ein, die sich jetzt darum kümmern müssen und viele – manchmal auch gegenteilige – Regelungen umsetzen müssen, in der Schule und anderswo.
Das ist alles andere als leicht.
„Herr, gib mir Geduld, aber flott“. Wenn es doch so einfach wäre, vor allem mit dem “flott“! Ich spüre auch meine Ungeduld.
Geduld – was ist das eigentlich? Vor meinem inneren Auge erscheinen Menschen, die es schaffen, mit Widrigkeiten zu leben, ohne zu verzweifeln oder sich nur im Klagen zu verlieren. Irgendwie schaffen sie es, die Wünsche des Augenblicks zurückzustellen und auch angesichts ungestillter Sehnsüchte mit Lust oder irgendwie genügsam und auf jeden Fall auch zufrieden zu leben.
Im Neuen Testament gibt es auf Griechisch zwei Worten, die in der Lutherübersetzung für „Geduld“ stehen: Das erste meint wörtlich „Darunterbleiben“, das zweite könnte man ebenso mit „Langmut“ oder „Ausdauer“ übersetzen. Von „flott“ und Geschwindigkeit ist jedenfalls keine Rede. Das „Darunterbleiben“ und die „Ausdauer“ bedeuten für mich eher die Zumutung, einen ungewissen Zustand länger auszuhalten und durchzustehen.
Was mir beim Nachschlagen und Lesen aber aufgefallen ist und mir besonders guttut: Das Neue Testament kennt die Geduld nicht nur als Forderung an die Menschen, die Gott vertrauen wollen oder sollen.
Vielmehr wird „Geduld“ als eine Seite Gottes gepriesen, die er mit uns hat. Also wenn da einer viel Geduld mit uns hat, dann fällt es mir vielleicht auch leichter, die Geduld zu meinem Repertoire für diesen Tag zu zählen. „Herr, Danke für Deine Geduld, auf dass sie auch für mich und für heute reicht!“ Und natürlich bitte auch für Sie und für Euch!
Ihr Thomas Schäfer

Dienstag, 05. Mai 2020
"Des Morgens,

wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen: Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt."

Luthers Abendsegen von Gestern hat mich auf die Idee gebracht, auch das Gegenstück, seinen Morgensegen (der übrigens auch in unserer Blauen Liedermappe steht) einmal wieder in den Blick zu nehmen, liebe Leserinnen und Leser.
Es mag altertümlich klingen und die Bewahrung vor Sünden klingt für unsere Ohren heute erst einmal fremd. Aber eigentlich ist damit nichts anderes gemeint, als dass Gott mich davor bewahrt irgendwelche Fehler zu begehen, Mitmenschen zu verletzen, Dinge zu tun, die mich gereuen oder auch etwas zu unterlassen, das mir mein innerer Impuls eigentlich zu tun rät: "Geht mich nichts an, dann komme ich in keine Probleme".
Und ja, böse Räuber, die am Wegesrand lauern, mag es heute nicht mehr geben, aber auch heute lauern genug gefahren am Lebens-Wegesrand.
Was mich an Luther immer wieder fasziniert, ist seine Freude, sein Optimismus, sein Gottvertrauen. Und zwar in einem existentiellen und tiefen Sinn. Welchen Mut braucht es, sich in seiner Zeit den Autoritäten entgegen zu stellen. Welche Anstrengung bedeutet es, sich den alltäglichen Widrigkeiten, Kälte, Unbequemlichkeiten, Schmerzen und vieles andere, entgegenzustellen und trotzdem sich hinzusetzen und nicht immer - aber doch häufig - frohgemut das Gute, das Schöne, das Positive zu sehen, "mit Freude ans Werk gehen".
Für mich ein Vorbild gerade auch in diesen Zeiten, wo man manchmal den Kopf am liebsten einfach nur unter die Decke stecken möchte.
Es grüßt sie und Euch der Peter Kolb

Montag, 4. Mai 2020
Abends

Ich bin zerknirscht. Ich ärgere mich über mich selbst. Es ist mir auch ein bisschen peinlich: Dieser Impuls soll schon lange auf der Seite stehen. Sie werden ihn schon vermisst haben? Wir schaffen es doch sonst jeden Tag, dass er spätestens mittags abrufbar ist. Oft schon am morgen. Heute wäre ich dran gewesen. Ich hätte die Zeit gehabt. Stattdessen war ich gemütlich einkaufen, habe mich mit Kirchenrecht beschäftigt und gemütlich Kaffee getrunken.
Ich hatte den Impuls einfach vergessen.
"Ob es jetzt schon zu spät ist?" fragt ein Teil von mir, der gerne hätte, dass ich das als "Fehlschlag" verbuche und einfach von mir wegschiebe. Weit weg aus dem Gedächtnis, so dass ich mich nicht mehr mit meinem Fehler beschäftigen muss. "Das liest doch eh niemand!" lügt ein anderer, gehässigerer Teil von mir, der im Geheimen das gleiche Schuldgefühl fürchtet. "Schreib einfach irgendwas von Luther" versucht eine andere Stimme zu helfen, einen Ausweg aus der inneren Bedrängnis zu finden. Gerade Abends, wenn ein trüber Tag Richtung Nacht hin noch ein wenig trüber wird und die Kräfte nachlassen, erheben sich oft diese Stimmen: selbstkritisch, ängstlich und auch schnell mal traurig oder gar verzweifelt.
Mit dieser Erfahrung bin ich nicht allein. Das Hormon Cortisol, das uns tagsüber aktiv und "kampfbereit" macht, wird, wenn es dunkel wird, kaum noch ausgeschüttet. Mit dem Cortisolspiegel sinkt aber auch die Laune und wir kommen schneller ins grübeln. Davon wusste Martin Luther zwar nichts, aber von seinen nächtlichen "Kämpfen mit den Dämonen" erzählt er immer wieder. Er weiß genau, von welchem "bösen Feind" er in seinem Abendgebet spricht, das ich Ihnen heute mitgeben möchte. Dieser kleine Text berührt mich immer wieder und ich wünsche auch Ihnen damit eine geruhsame Nacht!
"Des Abends, wenn du zu Bett gehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Alsdann flugs und fröhlich geschlafen."

Ihr Vikar Tobias Mangold

Sonntag 03.05.2020
Jubelt …

Ich sehe nochmal in die leere Kirche und lese die Texte für morgen (also heute, wenn Ihr und Sie lesen!)
3. Sonntag nach Ostern. Jubilate. „Jauchzt Gott alle Lande!“ (Psalm 66,1)
Nach Jubeln und Jauchzen ist wahrscheinlich nicht jeder und jedem zu Mute. Nicht alle haben mehr Zeit, manche viel mehr Stress zwischen Familie und Homeoffice. … Ich denke an das Telefonat heute Mittag und den leider immer noch geltenden Regelungen der Teilnahmebeschränkung bei Beerdigungen. Meine Gedanken in der leeren Kirche beginnen um unsinnige und wenig nachvollziehbare Regeln zu kreisen, ich spüre Ärger in mir hochkommen. Von Jubel keine Spur.
„Komm noch mal mit raus, wir könnten einen Abendspaziergang machen“, ruft mich meine Frau. Dankbar über die Ablenkung marschiere ich mit zur Rodberghütte. Bei der Hälfte des Anstiegs wird klar: Wir müssen uns sputen, eine riesen Wolke über dem Kahlgrund, schnell holt sie uns ein. Der Horizont mit Daxberg verschwindet im Regenschleier, die klaren Konturen der Hügel vor Blankenbach verschwimmen im Grau.
Zum Glück haben wir die Schirme dabei. …
Wir haben sie nur wenigen Minuten gebraucht. Dafür aber hinter uns einen wunderschönen doppelten Regenbogen bestaunen können. Das violett im Innenkreis war gleich mehrmals zu sehen und das Ende des Regenbogens tauchte die Häuser in Sommerkahl fast schon in goldenes Licht.
Natürlich sind wir stehen geblieben. Haben einfach geschaut und gestaunt. Und dann doch frohgemut den Heimweg fortgesetzt.
Ja, ich weiß: Hoffnungszeichen sind gerade arg strapaziert. Aber dennoch: Ärger und ungute Gedanken waren verschwunden. Zwar noch kein Jubeln, aber doch ein wenig Freude. Und Hoffnung, dass wir genug Kraft bekommen, um uns den Dingen zu stellen, die angegangen werden müssen.

Ihr Thomas Schäfer

Samstag, 2. Mai 2020
Das 1. Mai-Wochenende hätte dieses Jahr ja perfekt gepasst. Drei Tage frei, arbeitnehmerfreundlich, wie es so schön heißt. Ausflug in den Biergraten, zur Eisdiele, Fahrradtour oder Wanderung durch den Spessart, oder gar ein Kurzurlaub. Was hätte man sich nicht alles ausmalen können. Gott sei Dank ist das Wetter nicht so schön, habe ich mir gestern gedacht. Da fällt das #zuhausebleiben nicht ganz so schwer.
Wir richten uns jetzt für dieses Jahr auf Urlaub zu Hause ein. Falls es im Spätsommer noch mal klappt, für ein paar Tage unterwegs zu sein, gut. Ansonsten wird der Garten aufgerüstet. Neue Speilecke für die Kinder, eine selbstgezimmerte Lounge-Ecke und ein Pavillon, der Schutz vor Sonne und eben auch den Regenschauern bietet.
Der Sommer wird dieses Jahr ein anderer werden, das steht jetzt schon fest. Was hilft's.... das einzige, was man machen kann, ist, es sich so gut wie möglich einzurichten.
Und da fällt mir wieder der gute alte Prediger aus der Bibel ein. "Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich zu tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes." (Buch des Predigers, 3, 12+13)
Wie recht er doch hat, dieser Mensch mit seiner Einsicht ins Leben, vor vielleicht 3000 Jahren. Mehr bleibt uns heute auch nicht, am 1. Mai-Wochenende.

Bleiben Sie behütet, Ihr Peter Kolb

Freitag, 1. Mai 2020 Tag der Arbeit
Heute ist ein Feiertag! Man merkt es zwar kaum, da die Schulen sowieso geschlossen sind und die allermeisten üblichen Veranstaltungen für den 1. Mai nicht stattfinden können. Auch für mich ist heute der einzige Unterschied, dass ich nicht einkaufen gehen kann. Da ich aber auch die Anzahl meiner Einkäufe pro Woche reduziert habe, wäre es mir beinahe nicht aufgefallen. Aber es ist trotzdem einer. Der Tag der Arbeit.
Für mich war das bis jetzt immer ein Tag der Ironie: Worüber man sich am Tag der Arbeit am meisten freut, war ja immer, dass man nicht arbeiten muss. Nach Wertschätzung oder Nachdenken über die Arbeit hat sich das nie angefühlt. Das ist dieses Jahr anders. Wenn ich am 1. Mai nicht mit dem Bollerwagen durch die Lande ziehe, wofür gibt es ihn dann überhaupt? Ein eigener Tag für die Arbeit? Ausgelöst von einem Streik 1886 in den USA, propagiert von den Parteien der sozialistischen "2. Internationale" als "Kampftag der Arbeiterbewegung" und in Deutschland von den Nationalsozialisten als Feiertag durchgesetzt, hat dieser Gedenktag eine mehr als wechselvolle Geschichte.
Mich regt er heute dazu an, über das Arbeiten nachzudenken, diesen eigenartigen Tauschhandel von Lebenszeit- und Energie gegen Geld. Seit wann es das wohl gibt? Wie lange es das wohl noch geben wird? Auch in der Bibel ist die Lohnarbeit ein Thema. So wird in der Erzählung vom Sündenfall begründet, warum Arbeit anstrengend ist. Die Belohnung der "Arbeiter im Weinberg" sorgte nicht nur damals sondern auch heute noch für Diskussionsstoff. Gott belohnt alle Menschen gleich? Egal, was sie leisten? Auch die, die gar nichts dafür tun? Ganz genau! Allein aus Gnade, ohne eigenes Verdienst, sagt Luther! Und das glaube ich auch! Die Landeskirche gibt mir mein Auskommen, damit ich lerne und arbeite. Gott gibt mir was ich brauche umsonst. Gott ist kein guter Geschäftsmann, aber ein großartiger Chef!
Bleiben Sie behütet! Ihr Vikar Tobias Mangold

P.S: Mehr zum Thema "Arbeit in der Bibel" finden Sie auf der Seite der Evangelischen Kirche in Deutschland: https://www.ekd.de/best-of-bible-arbeit-in-der-bibel-45698.htm
 

Donnerstag, 30. April 2020
Kindermund und Betrunkene …

Der Volksmund sagt so schön: Kindermund und Betrunkene sagen die Wahrheit. Besonders spannend finde ich diese Erfahrung im folgenden Dialog, den mir eine Familie mitgeteilt hat. Von ihr habe ich auch das Einverständnis, ihn hier zu veröffentlichen.
„Mit Kindern erlebt man Lustiges, Spannendes und Nachdenkliches. Wie neulich. Unser Sohn, 5 Jahre alt, hat über die Kindernachrichten „Logo“ mitbekommen, dass jetzt eifrig an einem Impfstoff gegen Covid19 geforscht wird. Seine Frage dazu, natürlich morgens im Bett, wenn die Eltern noch nicht so wach sind wie die Kinder, war dann folgende: Warum sagt Gott, der ja alles weiß, den Menschen nicht einfach, wie sie den Impfstoff machen sollen? Hmmm...  Berechtigte Frage. Unsere Antwort konnte nicht so gradlinig sein wie die Frage. Wir haben dann erklärt, dass Gott ja keine E-Mail-Adresse hat, an die wir eine Anfrage schicken können und dann eine Rückantwort bekommen. Einwand des Sohnes war dann, wir müssen in den Himmel fliegen und Gott einfach treffen.  Der Vater hatte auch einen guten Gedanken für seinen Sohnemann: Gott hat uns die Fähigkeit geschenkt, zu denken. Und das müssen wir jetzt alle nutzen.“
Ich musste schmunzeln und habe zugleich gestaunt: auch unseren Kleinen geht es genauso wie uns: Sie wollen diese Welt verstehen, Zusammenhänge erkennen und sich orientieren. Sie fragen vielleicht ungenierter und manche Differenzierung können sie vielleicht nicht gleich einsehen. Wie das mit dem Himmel. Wir Deutschen haben es da ja etwas schwerer als Menschen im englischen Sprachraum, die kennen eben zwei Worte: „Sky“ und „Heaven“. Sie können damit auch zwei Ebenen für „Himmel“ auseinanderhalten. Das eine sind die sichtbaren Wolken (und nicht nur ein Bezahlsender), das andere ist symbolisch ein Platz für Gott.
Was uns verbindet – kleine und große Leute – ist das Nachdenken. Was wir am besten jetzt tun und lassen, wo wir uns helfen und unterstützen können. Da braucht es sicher auch noch manch spannende Dialoge.
Wir müssen gerade überlegen, unter welchen Bedingungen wir gut verantwortet unsere St. Markuskirche für den nächsten Gottesdienst am 10. Mai öffnen. Doch davon dann ein andermal, wenn wir uns gute Gedanken gemacht haben!

Ihr Thomas Schäfer

Mittwoch, 30. April 2020
Alles wird anders ?!

So langsam kristallisiert sich heraus, was das Corona-Virus alles (ver-) ändern wird. Dabei gilt wie immer für jede Krise: Manches wird besser, ist sinnvoll, anderes entwickelt sich negativ, ist alles andere als gut oder erschreckt einen gar.
Ob der Flugverkehr sich noch einmal so entwickeln wird, wie vor der Krise, ist fraglich und wird jedenfalls Jahre dauern, wie die Experten meinen. Gut für die Umwelt. Wie es mit dem Kulturbetrieb weitergeht, wie viele Künstler sich womöglich nicht mehr finanzieren können, wieviele Spielstätten, Clubs, Theater, etc. schließen müssen, erschreckt mich.
Dass die Menschen im Sommer Deutschland vielleicht als Urlaubsland wiederentdecken, sofern es überhaupt in Urlaub geht, mag auch eher positiv gesehen werden. Die größten Veränderungen wird es aber sicher in der Arbeitswelt geben. Videokonferenzen, Homeoffice, Digitalisierung - Arbeit und Kommunikation werden mit Sicherheit einen enormen Schub bekommen. Und vielleicht wird auch die Schule anders, wenn sich andere Modelle des Lernens nebenher etablieren. Darin könnte wiederum auch eine Chance bestehen.
Die große Frage, die mich beschäftigt und die noch überhaupt nicht abzusehen ist, wie es mit unserem menschlichen Miteinander weitergeht. Werden wir uns in einem Jahr zur Begrüßung wieder die Hand reichen oder uns gar umarmen? Ich hoffe es. Werden wir wieder gemeinsam was unternehmen, zusammensitzen, eng an eng Feste feiern, Gemeinschaft pflegen, uns zum Abendmahl die Hände reichen? Ich hoffe es sehr.
Denn in all dem drückt sich Verbundenheit aus: „Ich schätze dich, du bist mir wichtig, vielleicht sogar, ich fühle mit dir, weiß, wie es dir gerade geht“. Das ist enorm wichtig - für jede Form von Gemeinschaft. Sicher kann sie eine Zeit lang überbrückt werden – besonders dann, wenn es bereits vorher ein tragendes Band der Verbundenheit gegeben hat. Aber irgendwann entfernen sich die Menschen voneinander, entsteht Distanz, werden sie sich ein Stück weit fremd, wenn diese Gesten der Zuwendung, ja der Zugewandtheit länger fehlen.
In ähnlicher Situation, weit weg von den Seinen, schreibt Paulus im Brief an die Philipper:
„Wenn es nun irgendeine Ermunterung in Christus gibt, wenn irgendeinen Trost der Liebe, wenn irgendeine Gemeinschaft des Geistes, wenn irgendein herzliches Mitleid und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig, einträchtig.“ (Philipper 2, 1+2)
In diesem Sinne, bleiben Sie alle behütet, Ihr Peter Kolb

Dienstag, 29. April 2020
Was kommt danach?

Die Nachrichten sind voll davon: Welche Folgen wird die Krise haben? 50.000 Läden werden Insolvenz anmelden müssen, die Weltwirtschaft gerät in eine Rezession, auf der anderen Seite zeichnet sich ab, dass Nachhaltigkeit und sozialer Zusammenhalt wichtiger werden. Wird die Digitalisierung beschleunigt? Wird Home-Office zum neuen Standard? Werden die allmorgendlichen Pendlerströme zum Erliegen kommen? Die Innenstädte von der Blechlawine befreit? Das Umland aufgewertet? Vielleicht. Alles schwer abzusehen, alles gefühlt sehr weit weg. Doch auch ich ertappe mich dabei: Ich helfe mir durch den Tag mit Wunschträumen von der Zeit danach. Ich vergesse dabei, dass auch heute ein Tag ist, der meine Aufmerksamkeit verdient. Mit Aufgaben und Pausen, mit Problemen und Lösungen. Und ich vergesse, dass diese Zeit danach noch gar nicht garantiert ist. Ich werde nachdenklich.
Es wird nicht für Alle eine Zeit nach der Krise geben. Und das nicht nur, weil die Krise eine Pandemie ist, eine weltweite, tödliche Krankheit, an der noch viele Menschen sterben werden. Auch darüber hinaus: Es wird noch viel Zeit vergehen, bis alles wieder normal ist. Auch Menschen, die nicht vom Virus betroffen sind, werden in dieser Zeit von uns gehen. Andere Krankheiten, hohes Alter und Unfälle warten nicht auf das Ende der Krise. Meine Fixierung auf das Ende der Beschränkungen schaut daran schnell vorbei. Der Tod ist in den Nachrichten zu einer abstrakten Zahl verkommen. Die aktuellen Todeszahlen: 6.126 in Deutschland, 26.977 in Italien, 211.000 Weltweit. Wir jonglieren mit diesen Zahlen und es wäre uns lieber, es wäre ein €-Zeichen dahinter oder ein $. Und wissen es doch besser. Wir trauern, wir haben Angst um unsere Lieben und uns selbst. Dass diese Zahlen Menschen meinen, wie wir welche sind, das ertragen wir gerade so nur, weil wir es müssen. Doch wenn ich tiefer in mich hineinspüre, ist da nicht nur verdrängte, verzweifelte Trauer. Da brennt auch ein Licht.
Es ist noch nicht lange her, da durfte ich dabei sein, als die neue Osterkerze angezündet wurde. Es war schon da nicht so, wie die Jahre davor. Ohne Gemeinde, stattdessen mit Kamera. Und die war dabei, weil alle Beteiligten wussten: Hier geschieht etwas Relevantes. Etwas, das gezeigt und geteilt werden will. Wir feiern den Sieg Christi über den Tod. Dieses kleine Licht, das jetzt in der Kirche und unseren Herzen brennt, strahlt, wenn wir es lassen, heller, als jede dunkle Verzweiflung über den Tod - ja es überstrahlt den Tod selbst.
Davon singt ein Lied, das grade in die Zeit nach dem Hirtensonntag besonders gut passt. Es singt mit einer fast niedlichen Fröhlichkeit gegen all die Ungewissheit und Angst an, wie die kleine Flamme der Osterkerze. Es steht im Gesangbuch unter der Nummer 593; eine schöne Einspielung durch einen Pfarrer aus Brinkum bei Bremen finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=2NrBwzYAAXg

    1. Weil ich Jesu Schäflein bin
    Freu ich mich nur immerhin
    über meinen guten Hirten,
    der mich schön weiß zu bewirten,
    der mich liebet, der mich kennt,
    und bei meinen Namen nennt.

    2. Unter seinem sanften Stab
    Geh ich aus und ein und hab
    Unaussprechlich süße Weide,
    Dass ich keinen Mangel leide,
    Und so oft ich durstig bin,
    Führt er mich zum Brunnquell hin.

    3 Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
    Ich beglücktes Schäfelein?
    Denn nach diesen schönen Tagen
    Werd ich endlich hingetragen
    In des Hirten Arm und Schoß:
    Amen, ja mein Glück ist groß!

Bleiben Sie behütet! Ihr Vikar Tobias Mangold

Montag, 28. April 2020
Was haben wir im „seelischen Handgepäck“?

Wann Reisen und Urlaub in anderen Ländern wieder möglich sind, steht gerade noch nicht fest. Kleine Ausflüge in die Umgebung – so habe ich es am Wochenende erlebt – tun der Seele und dem Erlebnisdrang vieler so richtig gut. Die Spanier, so lese ich, dürfen endlich wieder das Haus verlassen, wenigstens für eine Stunde am Tag. Was ein Segen für kleine Kinder! Und natürlich auch für deren Eltern!
Im Augenblick hilft nur die Erinnerung an Reisen. In den Faschingsferien vor einem Jahr konnte ich bei der Studienreise unseres Dekanats zur kleinen Lutherischen Partnerkirche in Costa Rica dabei sein. Das war echt ein Erlebnis, einmal Kirche unter so ganz anderen Bedingungen kennenzulernen.
Zur Sicherheit hatte ich mit einem Kollegen vereinbart, jeweils für das Gepäck des anderen ein wenig Platz im Koffer auszusparen. Jeder könnte so eine „Not-Tüte“ mit wichtigster Wäsche aus dem Koffer des anderen ziehen, falls mit dem Gepäck was passieren sollte. Die anderen der Gruppe lächelten: Was soll schon passieren. Und, man kann es sich schon denken, es passierte. Zwei Koffer hatten das Umladen unterwegs nicht mitgemacht und waren irgendwo in Spanien geblieben. Einer davon war der meinige.
Zum Glück gab es das Handgepäck und meine „Not-Tüte“ im Koffer des Kollegen. Die nächsten Tage waren gesichert, bis der Koffer nach abenteuerlicher Reise kurz vor dem Rückflug doch noch in Costa Rica im Hotel erschien!
Übertragen gedacht: Was haben wir in unserem „Handgepäck“ oder einer „Not-Tüte“ bei anderen? Gibt es da Erfahrungen oder Texte des Glaubens, die wir dann auspacken und froh darüber sind, sie unser Eigen nennen zu können? Meine Kollegen haben mich auf diese Idee gebracht mit dem Psalm 23 vom Homepage-Text am vergangenen Samstag. Mir ist da das Vaterunser wichtig geworden. Die Worte sind da, auch wenn einen die Aufregung packt oder die Sorgen nagen. Worte wie ein frisches T-Shirt aus meiner „Not-Tüte“. Sie laden zum Nachsprechen ein – auch jetzt! Und ich glaube, ich muss sie für uns noch nicht einmal eigens abdrucken.
Was für ein spirituelles Handgepäck wäre für Dich oder für Sie wichtig?
Ihr Thomas Schäfer

Sonntag, 26. April 2020
Gestern ist es schon angeklungen, heute ist „Hirtensonntag“. Das Bild von Jesus als dem Guten Hirten prägt den heutigen Tag. Der bekannteste aller Psalmen, der 23. ist der Psalm zum heutigen Sonntag (siehe unter „Aktuell“) und das Evangelium, das bei Johannes (Kap. 10) steht, stellt nun Jesus als den guten Hirten dar: Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein.  12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er flieht, wenn der Wolf kommt, und überlässt die Schafe sich selbst. Der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander.  13 Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen.  14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich;  15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für die Schafe.
Das Urbild des Schäfers spricht Kinder wie Erwachsene an. Das Neue Testament bekennt Christus als den guten Hirten, der das Verlorene nicht aufgibt und der sein Leben für das ihm Anvertraute lässt. Jeder einzelne zählt!
Der Hirte sorgt dafür, dass die Herde frisches Wasser und Gras findet und sicher weiden kann – und die Schafe wissen, wo sie hingehören und wo sie sicher sind. Gewiss hat das Bild auch seine Grenzen. Ich – ein Schaf?
Wenn Sie in diesen Tagen zu einem Frühlingsspaziergang aufbrechen, kommt Ihnen vielleicht der Hirtensonntag in den Sinn. Wo haben Sie sich gut versorgt gefühlt? Wo hat jemand auf Sie geachtet? Wo wären Sie vielleicht auch gerne aus der Herde ausgebrochen?
Wenn es so still und beschaulich ist, geht es mir öfter so, dass ich in Gedanken versinke. Eigentlich ein echtes Geschenk. Fast so wie damals in der Kindheit, wenn ich auf einer Wiese gelegen bin und in den Himmel geschaut habe und mir alle möglichen Dinge ausgedacht habe.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.
Bleiben Sie behütet, Ihr Peter Kolb

Samstag, 25. April 2020
Ein neuer Sonntag steht ins Haus

Der Ostermond ist endgültig untergegangen. Letzte Nacht war Neumond. Die Zeit vergeht, und es ist tröstlich, auch diese Zeit wird nicht aufhören zu vergehen. Es wird wieder Gottesdienste geben, wieder Kino und Konzerte, Abende bei Freunden. Es wird wieder eine Bundesligasaison ohne Geisterspiele geben, wieder ein Oktoberfest und - für mich besonders wichtig - einen Festivalsommer. Diese Zeit jetzt wird vergehen. Sie vergeht ja jeden Tag.
Doch morgen ist es noch nicht so weit. Morgen finden wieder keine Gottesdienste statt. Ein Hirtensonntag ohne Herde. So wird der morgige Sonntag (eigentlich "Misericordias Domini") gerne genannt. Alles dreht sich an diesem Tag um die schöne und uralte Vorstellung des Guten Hirten, den die Bibel schon im Alten Testament besingt und den wir im Neuen Testament als den Menschen Jesus Christus vor uns sehen. Und natürlich wird an diesem Sonntag normalerweise der Psalm 23 vom guten Hirten gebetet. Lesen Sie die sicherlich vertrauten Worte doch gerne laut mit:
"Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar."

Der Hirte - im alten Orient war immer klar, wer damit gemeint war, wenn von Hirten gesprochen wurde: "Der Hirte" steht für den König. Eigentlich ja auch naheliegend. Der Hirte führt seine Schafe, gibt vor, wohin sie gehen und wohin nicht. Und er beschützt sie. Ein Hirte, der mit seinem Stab gut umzugehen weiß, braucht sich vor Wölfen und sogar Löwen nicht zu fürchten. Mit einer Hirtenschleuder konnte König David sogar den Goliath besiegen. König wie Hirte, beide wissen, wie man einen Kampf gewinnt. Je mehr man sich diesen kämpferischen Aspekt des Hirtentums ansieht, umso schöner und wärmer leuchten die Farben, in denen Psalm 23 unseren guten Hirten malen: Stecken und Stab nicht als Hiebwaffe, sondern als Trost. Er weidet nicht nur auf einer grünen, saftigen Wiese und führt zu gutem Wasser, nein er kümmert sich auch um die Seele, das innerste Wohlbefinden seiner Schafe. Gott ist kein Hirte wie die anderen. Kein König, der sein Volk einfach nur lenkt und regiert. Er ist der gute Hirte. Und er ist mein Hirte. Daraus zieht der Psalm den wunderschönen und umfassenden Schluss:
"Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar." Amen

Bleiben sie behütet! Ihr Vikar Tobias Mangold

Freitag, 24. April 2020
Virtuell ins Museum

Nein – heute geht es mal nicht um Corona. Zumindest hier nicht. Und zumindest nicht unmittelbar. Obwohl dann doch irgendwie schon. Aber lest selbst:
Einmal im Jahr gibt es den Ausflug unserer Konfirmanden ins Bibelerlebnishaus nach Frankfurt. Eine kleine Weltreise mit Bembel und Nahverkehrszug über Kahl zum Frankfurter Südbahnhof. Dann noch ein Spaziergang mit Blick auf die Skyline der silbern glitzernden Banken- und Geschäftstürme.
Jetzt abbiegen in eine eher unscheinbare Gasse und in ein wenig spektakuläres Gebäude, in den letzten Jahren schwer renoviert und wenigstens mit etwas repräsentativem Glasvorbau ausgestattet.
Doch hier tut sich ein Fenster oder, besser gesagt, eine Tür in die Geschichte auf: Bei Abraham und Sarah zu Gast sein können, Platz nehmen dürfen im Nomadenzelt bei den biblischen Müttern und Vätern des Glaubens aus dem Alten Testament, neben Jesus im Fischerboot auf dem See Genezareth schippern …auf jeden Fall eintauchen in die Welt biblischer Geschichten und staunend Details zu den Schicksalen der Menschen damals erfahren. Na toll, wieder so was Olles, denken vielleicht einige, wieder so ein verstaubtes Museum. Aber eigentlich geht es darum, sich das Verstehen einer anderen Welt zu erarbeiten. Eine Fähigkeit, die wir doch auch sonst in unserem Alltag brauchen mit der stets neuen Technik, die uns umgibt und den Informationen aus andern Ländern und Kulturen.
So, wie ich einen Witz aus der damaligen DDR nur verstehe und auch heute noch mitlachen kann, wenn ich etwas aus dieser Zeit weiß und verstehe, was das für die Menschen damals bedeutet hat, unter so einem Regime zu leben – genauso kann es helfen, in die Welt der Bibel einzutauchen und auf einmal Geschichten zu verstehen, Verständnis zu entwickeln für Menschenschicksale und vielleicht sogar eine neue (alte) Welt in der eigenen Fantasie mitzusehen, wenn wir eine biblische Geschichte lesen: Bibelkino im Kopf. Damit das Farbe gewinnt und detailtreu gelingt und wir dem Leben damals etwas auf die Spur kommen, gibt es auch für uns jetzt zuhause Gebliebenen eine tolle Möglichkeit: Folgt dem Link: https://www.museum.de/de/audioguide/200/lang/DE
und klickt euch durch die Hörstationen des „Bibelerlebnishauses“. Wir können kaum raus, aber wir können rein in diese Welt, aus der das meistgesagte Wort in unsere Welt hinübertönt: „Fürchte dich nicht!“ Viel Spaß beim Entdecken!
Ihr Thomas Schäfer

Mittwoch, 22. April 2020
Geh aus, mein Herz
!
Es ist fast zynisch, fast! Die Sonne lacht seit Tagen in vollster Pracht auf uns herunter, kein Wölkchen am Himmel, angenehme Wärme, kühlende Winde - traumhaft! Und doch nur schöner Schein? Wo keine Wolken den Sonnenschein trüben, fällt auch kein Regen, der - wenn auch kalt und ungemütlich - für Natur und Landwirtschaft jetzt dringend nötig wäre. Und an der nach wie vor grassierenden Epidemie und den schon jetzt katastrophalen wirtschaftlichen Folgen ändert der Sonnenschein auch nichts. Kein Vogelgezwitscher schafft oder erhält Arbeitsplätze. Keine sonnenbeschienene Blüte lindert die Not in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich in all dem Schönen, in dieser lieben Sommerzeit, die Freude wirklich aktiv suchen. Zum ersten mal finde ich das alte Lied von Paul Gerhard nicht seicht und banal, sondern herausfordernd und ansprechend. Schön ist es ja allemal. Aber heute ist es eben auch eine echte Aufgabe:
    Geh aus, mein Herz, und suche Freud / in dieser lieben Sommerzeit!
So beginnt das lange, 15-strophige Lied, das seinen Blick über die Natur schweifen lässt und die vielen verschiedenen Freuden besingt, die der Sommer mit sich bringt: Alles wächst und blüht, die Tiere zeigen sich und freuen sich an ihrem Leben. Und dann wendet sich der Blick dem Sänger zu.
    "Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;
    ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen."

Und es beginnt das Nachdenken über das, was man da sieht. Es bleibt nicht beim bloßen Betrachten. Das Auge fühlt mit und regt an. Aus warmen Bildern werden warme, sonnige Gedanken, die auf einmal ganz weit weg führen von dieser schönen Welt:
    "Ach, denk ich, bist du hier so schön und läßt du’s uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden;
    was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden!"

Die Schönheit der Welt, das sehen wir in diesen Tagen auch, kann nicht den Blick darauf verstellen, dass sie, diese Schönheit, ein Ende hat. Doch begeistert von den Bildern, die wir sehen dürfen, werden auch diese Gedanken, die auch mal finster und trüb daherkommen, zu einer Quelle neuer Freude: einer Freude darüber, dass unser Leben in Gott gehalten ist - das Leben hier wie das Leben dort. Und zu beidem gibt Gott sein Ja und unsere Freiheit.
Die letzte Strophe nimmt beides in den Blick, sieht beides verbunden und bittet voller Dankbarkeit, die aus dem Glauben kommt:
    "Erwähle mich zum Paradeis und laß mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen,
    so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen."

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Frühsommerabend - Vikar Tobias Mangold

Dienstag, 21. April 2020
Die Kunst der kleinen Schritte

Das wird dauern, dieser merkwürdige Zustand in unserem Leben. Bis … ein Impfstoff kommt, … ein Medikament gefunden ist, … bis… Es wird dauern. Ich merke an mir, dass ich doch ungeduldig werde. Es nervt mich zunehmend, nicht planen zu können. Was den Traupaaren, den Konfirmanden-Eltern sagen…? Dann ein Telefonat mit Freunden, die Verbindung nach Afrika haben, und ein Bericht von einem Helfer in einem Flüchtlingslager. Dagegen geht es mir noch „Gold“. Und doch bleibt die Kunst, mit dieser Krise umzugehen. Ich denke an unsere Politiker, die unter einem unendlichen Erwartungsdruck stehen.
Doch wer ehrlich ist, muss zugeben: den großen Plan gibt es nicht. Da fällt mir der dichtende Flieger Antoine de Saint-Exupéry ein, vielen bekannt durch seine Geschichte „Der kleine Prinz“. Auch dieser Text stammt von ihm und vielleicht hilft er uns für unseren Alltag: Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

"Ich bitte dich nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die Wichtigste zu erkennen.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glattgehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit zu sagen.
Ich möchte dich und die andern immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem, schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin. Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die „unten“ sind.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte."     Antoine de Saint-Exupéry

Die Kunst der kleinen Schritte! Haben Sie schon eine Ahnung, welche kleinen Schritte heute anstehen? Einen guten Blick dafür!
Ihr Thomas Schäfer

Montag, 20. April 2020
Immer nur Corona ???

Ich liebe Geschichten. Gute Geschichten versinnbildlichen zum Beispiel sehr konkret ein bestimmtes Verhalten, ein Muster, in das man immer wieder verfällt oder einfach typisch menschliche Charakterzüge. Eine Geschichte, die mir in diesen Tagen immer einmal wieder beschäftigt, stammt von Victor Auburtin, einem deutschen Schriftsteller, der unter anderem für den berühmten Simplicissimus schrieb.
Die kleine Geschichte, 1911 veröffentlich, hat den gewichtigen Titel als "Das Leben": „Es lebte ein Mann, der war ein sehr tätiger Mann und konnte es nicht übers Herz bringen, eine Minute seines wichtigen Lebens ungenützt verstreichen zu lassen. Wenn er in der Stadt war, so plante er, in welchen Badeort er reisen werde. War er im Badeort, so beschloß er einen Ausflug nach Marienruh, wo man die berühmte Aussicht hat. Saß er dann auf Marienruh, so nahm er den Fahrplan her, um nachzusehen, wie man am schnellsten wieder zurückfahren könnte. Wenn er im Gasthof einen Hammelbraten verzehrte, studierte er während des Essens die Karte, was man nachher nehmen könne. Und während er den langsamen Wein des Gottes Dionysos hastig hinuntergoß, dachte er, daß bei dieser Hitze ein Glas Bier wohl besser gewesen wäre. So hat er niemals etwas getan, sondern immer nur ein nächstes vorbereitet. Er war nie einer ganzen und gesunden Minute Herr, und das war gewiß ein merkwürdiger Mann, wie du, lieber Leser, nie einen gesehen hast. Und als er auf dem Sterbebette lag, wunderte er sich sehr, wie leer und zwecklos doch eigentlich dieses Leben gewissermaßen gewesen sei.”
In diesen Tagen eines für Viele zwangs-entschleunigten Lebens vielleicht ja eine Anregung, die aktuelle Situation nicht nur als Last, sondern auch als Chance zu begreifen.
Meint ihr Peter Kolb

Sonntag, 19. April 2020
Der ungläubige Thomas

„Du bist ein ungläubiger Thomas!“ Das habe ich als Kind und Jugendlicher immer wieder gehört auf meine bohrenden Nachfragen, wenn ich etwas wissen wollte oder wenn mir die bisherige Information nicht genügend und ausreichend erschien. Und mitgeliefert bekam ich das Gefühl serviert: „Jetzt langt es aber mit dem Fragen!“ Ein fragender Thomas, eben der „ungläubige“ Thomas bekam da einen negativen Beigeschmack.
Als Papa bin ich dann selbst der schier unstillbaren Wissensgier und Fragelust meiner beiden Kinder begegnet. Das berühmte Loch im Bauch, dass sie einen fragen, ich hätte ganze Kontinente da hineinversenken können. Doch ich hatte auch immer Freude daran, zugleich mit den Fragen ihre Art von Weltaneignung miterleben zu können, welches Gebiet sie sich gerade erschlossen, von Sauriern bis zu den Römern, von Edelsteinen bis zu den verschiedensten Baumarten.
Fragende sind wertvolle Leute und „wer nicht fragt, bleibt dumm“; so hieß es bei der Sesamstraße. Und das ist gut so! Im heutigen Evangelium des Sonntages Johannes Kapitel 20, Verse 19 bis 29, begegnet er mir wieder, der nachfragende, kritische Jünger Thomas. Das, was andere erzählen, reicht ihm nicht aus. Er will den Dingen auf den Grund gehen, selbst etwas erleben, „begreifen“ im wahrsten Sinne des Wortes und dann auch verstehen. Jesus tut ihn nicht ab mit seiner Kritik und seinem Zweifel. Der „ungläubige“ Thomas bekommt, was er braucht – seine ganz persönliche Lektion mit Jesus.
Alle, die zweifeln, die nachfragen und als kritische Charaktere nicht aufhören, nach neuen und eigenen Zugängen zu dem, was sie für sich klären wollen, zusuchen: Alle die erhalten bis heute die Ermutigung, darin nicht nachzulassen und dann doch noch einen Schritt weiter zu gehen. Ich bin heute froh um diese Figur des „ungläubigen“ Thomas, der Vertrauen erfahren durfte - gerade auf sein Nachfragen hin. Echt: er hat meine Sympathie und nicht nur die zufällige Namensidentität. Und ich freue mich mit ihm über sein Wachsen von Erfahrung mit seiner Welt und mit seinem Glauben.
Zu diesem Sonntag wünsche ich Ihnen und Euch, dass sich vielleicht gerade heute wichtige Fragen klären oder dass wir die wichtigen Fragen erst einmal zu stellen wagen!
Ihr Thomas Schäfer

Samstag, 18. April 2020
Es geht weiter
Es ist ein langes, zähes Warten: Auf neue Erkenntnisse, Maßnahmen, Lockerungen. Darauf, dass das Alles wieder vorüberzieht. Manchmal scheint die Zeit still zu stehen. Nichts geht voran.
"Doch! Doch! schau nur!" ruft mir gerade die Natur von überall her entgegen. Eine Grüne Explosion erfasst jeden Baum und jeden Strauch. Vor unseren Augen durchlebt jede Knospe ihr ganzes kurzes Leben. Blüten, die vor der Krise noch nicht zu erahnen waren, sind jetzt schon wieder verblüht. Die Vögel arbeiten und balzen hektisch und unüberhörbar. Auch der Mond steht nicht still. Der wunderschöne Vollmond, der erste Frühlingsvollmond, der ja nach wie vor den Ostertermin bestimmt, hat schon wieder deutlich abgenommen. Bald wird Neumond sein, und der Ostermond nicht mehr zu sehen.
Wir haben Ostern durchlebt, ganz anders als sonst. Und auch das Kirchenjahr geht weiter. Morgen wäre - nein: ist! -  einer meiner persönlichen Lieblings-Sonntage: Quasimodogeniti.
Ich mag ihn nicht nur wegen seines herrlich ausgefallenen Namens, der mich auch heute noch jedes mal an den Glöckner von Notre Dame erinnert. Ich mag ihn auch wegen seiner Bedeutung. "Nach Art der Kinder": Wie Neugeborene in weiße Gewänder gehüllt, zeigten sich in der alten Kirche die Erwachsenen, die an Ostern getauft wurden, zum ersten Mal der ganzen Gemeinde als mündige Teilnehmer des Gottesdienstes. Ostern war der Tauf-Sonntag schlechthin. Und die neue Geburt der Täuflinge wurde am Sonntag darauf gefeiert. Der ganze Bibelvers aus dem 2. Petrusbrief, dem der Name entnommen ist, spielt auf diese Neugeburt an: Seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil.
In der Taufe werden wir, so sagt uns die Bibel, neu geboren. An Ostern erleben wir das alle gemeinsam: Der Tod ist besiegt und wir schlüpfen, wie aus einem Ei, in ein neues Leben. Wie die Natur draußen vor Leben explodiert; Wie auch der Mond nach kurzer Dunkelheit bald wieder neu zunimmt, so ist Jesus Christus für uns aus dem Grab zu neuem Leben auferstanden, und so dürfen auch wir uns fühlen: Im Glauben an ihn sind wir neu geboren, in ein starkes, ewiges Leben. Jedes Jahr, jeden Tag neu, frisch und wie ein kleines Kind.
Ich wünsche Ihnen diese täglich österliche Freude, und reichlich vernünftige, lautere Milch!
Ihr Vikar Tobias Mangold

Freitag, 17. April 2020
Geteiltes Leid, halbes Leid

Ein Osterfest der leeren Kirchen, so war jetzt immer zu hören in den Nachrichten. Aber: Wirklich leer waren die wenigsten. Viele Gemeinden haben mit viel Kreativität Filmchen gedreht, Live-Schaltungen gestartet oder andere Initiativen mit geöffneten Kirchen angeboten. Auch bei uns waren viele Menschen hier – natürlich immer mit dem gebotenen Sicherheitsabstand und nicht als „klassischer Gottessdienst“ – und haben das Live-Treffen und die Mitmach-Angebote der St- Markuskirche geschätzt.
Aber wir waren als christliche Kirchen im Leiden unter diesen Beschränkungen ja auch nicht alleine.
Als unser liturgischer Kalender noch auf „Gründonnerstag“ zeigte, begann für die jüdischen Gemeinden das „Passah-Fest“, die Erinnerung der jüdischen Gemeinden an die Befreiung aus der Knechtschaft Israels in Ägypten. Immer der Jüngste in der Familie darf an diesem Abend vor dem feierlichen Essen die Fragen stellen: Was ist an diesem Abend besonders? Woraufhin der Hausvater erzählen wird: Vom Leid der Sklaven und der Abhängigkeit von anderen, vom eingeschränkten Leben und dann vom Festmahl in Schuhen und Reisekleidung und vom Aufbruch in die Freiheit unter Gottes schützender Begleitung. Und durch das Erzählen wird jede Familie, jede Feier hineingenommen in die Befreiung, als wenn es um das eigene Leben geht. Normalerweise auch ein Anlasse, sich als Familie und mit vielen Freunden zu treffen. In den Synagogen werden gerne große Feiern mit Festessen und Musik abgehalten. Nichts dergleichen in diesem Jahr: Passah wurde reduziert auf ein Familienfest im engsten Rahmen.
Juden und Christen – wir sitzen wieder einmal im gleichen Boot, in der gleichen Welt mit allem Leid und Freud. Aber wie heißt es so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Und auch hier kann man als Christ mitfeiern, mehr von jüdischem Leben in Bayern mitbekommen: jeden Freitagnachmittag um 15 Uhr auf Radio Bayern 2 mit Moderator Michael Strassmann. Ich finde es immer wieder spannend, diese 10 Minuten „Jüdischkeit“ im Radio und ein etwas anderer Blick auf das „Alte“ oder besser gesagt „Erste Testament“, das uns Christen und Juden verbindet.
Also mein Wunsch für Sie und Dich für heute mit dem jiddischen Feiertagsgruß „Mazel tov – schabbat schalom“ (Viel Glück und friedlichen Sabbat /Feiertag“).
Ihr Thomas Schäfer

Donnerstag, 16. April 2020
Der Mond ist aufgegangen

"Allabendlich um 19 Uhr lädt die Evangelische Kirche alle Menschen ein, "Der Mond ist aufgegangen" zu singen oder zu musizieren – jeder und jede auf seinem Balkon oder im Garten. Dazu ruft auch Margot Käßmann auf." So berichtet zum Beispiel evangelisch.de. Und tatsächlich sehe ich immer noch Bilder und höre Berichte von Menschen, die auf ihren Balkonen oder aus ihren Fenstern singen und musizieren.
Gestern habe ich mitgemacht. Nicht aus dem Fenster sondern in meinem Zimmer. Nicht pünktlich, sondern genau dann, als ich Lust hatte. Aber die hatte ich. Manche Strophen gingen auswendig, für andere habe ich im Internet nachgesehen. Und gestaunt: Das alte Lied von Matthias Claudius ist vielschichtig und aktuell, nicht nur wegen dem "kranken Nachbarn" am Ende! Hier ist der ganze Text. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und lesen Sie! Und vielleicht möchten Sie ja die ein oder andere Strophe singen. Heute abend, pünktlich um 19 Uhr aus dem Fenster, oder ganz still für sich.
Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold!
Als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? – Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinnste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen, lass uns im Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abendhauch.
Verschon’ uns, Gott! mit Strafen und laß uns ruhig schlafen! Und unsern kranken Nachbar auch!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag und eine ruhige Nacht
Ihr Vikar Tobias Mangold

Mittwoch, 15. April 2020
Afrikanisches Sprichwort
Wieder ein Morgen. Alltag. Wieder einmal, die wievielte Woche inzwischen? Dennoch wartet alles darauf, was unsere Politiker vielleicht heute noch sagen, wie der Alltag in der nächsten Zeit aussieht. Was sich ändert, was bleibt oder worauf wir uns neu einstellen müssen. Mal sehen, ob wir dann etwas mehr planen können.
Aber der Alltag mit seinen vielen kleinen Verrichtungen wird weitergehen. Manchmal denke ich, diese kleinen „Verrichtungen“ geben auch Halt und Orientierung. Einige Familien haben berichtet, wie die Kinder auch bei kleinen Dingen im Haushalt mithelfen oder gerade kochen lernen - auch eine wichtige Fähigkeit für das Leben.
Also weiterhin: Alltag gestalten.
Ein afrikanisches Sprichwort unserer Freunde, die vor vielen Jahren in Tansania gearbeitet haben, beschreibt diesen Alltag ganz unpathetisch: Was ist Alltag? „Alles, was herumliegt, wird aufgehoben; alles was herumsteht, wird abgestaubt und alles, was sich bewegt, wird gefüttert.“
Ganz klar, ganz einfach. Man muss ja nicht gleich „Held des Alltags“ sein. Ehrlich gesagt, ein Typ für das Abstauben bin ich nicht. Eher für den Abwasch zuständig. Aber wie immer: Wenn man zusammen hilft …
Apropos „zusammen“: Es war schön, an den Ostertagen in der offenen Kirche und am Gelände mit unserem Wunsch-Apfelbaum wieder mal Menschen getroffen zu haben. Vielen Dank an alle, deren „Osterspaziergang“ zur St. Markuskirche geführt hat. Vielen Dank für den für uns alle lebensnotwendigen Austausch von Gefühlen und Gedanken. Und noch was: Vielen Dank für die lieben Rückmeldungen per Mail oder die Bilder, die mir einige Familien haben zukommen lassen von den „Osterwegen“, die sie zuhause gelegt hatten nach einer Anregung, die wir an die Kinder verschickte haben.
Wenn das auch bleibt oder in unseren Alltag integriert werden kann: Der Dank für viele kleine Gesten, die uns gut tun. Dann will ich das afrikanische Sprichwort gerne weiterdichten: „… und alles, was uns beglückt, wird mit einem Dank bedacht!“
Ihr Thomas Schäfer

Dienstag, 13. April 2020
"Es gingen zwei Jünger nach Emmaus"

Die Epidemie hält an - und das hat Folgen: Viele davon ernst und schwer, die meisten in ihrem Ausmaß noch nicht abzusehen. Doch auch manche curiose Beobachtung lässt sich machen. Die Sozialen Medien quellen über vor Innovation und der Lust daran, die Zeit gemeinsam zu gestalten. Auch aus Kreisen der Kirche und religiöser Gruppen ist Vieles zu hören und zu sehen. Mich freut es. Es ist wundervoll, wie verschieden die Ansätze sind und wie viel Kreatives und Produktives dabei herauskommt. Auch an Themen mangelt es nicht: Passion, Ostern, der Frühling, der Papst: All das wird verarbeitet, aufgenommen, besprochen, bespielt. Gestern aber geschah auf meinen Kanälen etwas bemerkenswertes: Thematische Singularität! Wie auf ein Signal hatten in meinem Netzwerk alle Akteure nur noch ein Thema: Die Emmausjünger! Die mussten es sein. Und das auch völlig zu recht!
Die Geschichte gehört zu Ostern, und sie passt so gut wie nie: Ein Spaziergang zu zweit (Außerhalb Bayerns überall erlaubt, hier in Baynern müssten die Jünger argumentieren, sie kämen aus dem gleichen Haushalt - für mich wäre das in Ordnung); Die Trauer über einen alten Freund, den man nicht mehr sehen kann; Erinnerungen an die Zeit damals, als man noch beisammen war; Und dann: Unverhoffte Nähe, ein Gefühl der Verbundenheit, echte Freude, wirkliches Leben!
Ich möchte Sie, liebe Leser, heute dazu ermuntern, die ganze Geschichte in der Bibel nachzulesen! Sie steht im Lukasevangelium im 24. Kapitel. Sie ist nicht zu lang, ansprechend geschrieben und schafft es jedes mal, mir ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und eben diesen Zauber, den manche alten Geschichten auf uns haben können.
Ihr Vikar Tobias Mangold


Ostermontag 13.04.2020
Ruhige Ostertage. Was sonst ein eher frommer Wunsch war, ist dieses Jahr Realität: Kaum Flugzeuge am Himmel, wenig Verkehr auf der Gasse. Aber immerhin: Gestern, am Ostersonntag, endlich – ein paar Menschen wieder zu Fuß oder mit dem Rad. Der Osterspaziergang hatte sie in die offene Kirche geführt. Übrigens: auch am heutigen Ostermontag haben viele Kirchen offen, auch unsre St. Markuskirche am Vormittag.
Da kam in der Begegnung tatsächlich so etwas wie Osterfreude auf. Obwohl wir über alle Formen der Kommunikation froh sind und über unsere Jugendlichen, die da ganz viel ausprobieren, von der Live-Chat-Andacht bis zur konkreten Hilfe, dass unser Ostersonntagsvideo auf YouTube erscheinen konnte. Dennoch: Eine echte Live-Begegnung ist einfach nicht zu ersetzen, tut Leib und Seele gut.
Was wäre Ostern ohne die Live-Begegnung – damals die Frauen am Grab und dann die Jünger, die sich neu lebendig gemacht fühlten durch die Begegnung mit dem Auferstandenen. Ohne ihre begeisterte Weitergabe der guten Nachricht, des „Evangeliums“, wären wir heute keine Christen, würden keine Osterferien genießen, hätten nicht einmal den Sonntag zum Ausruhen.
Das Feiern und die Freude gehört dazu zu Ostern, der Ostersegen wird sozusagen handfest.
Am schönsten hat das für mich eine Äbtissin des frühen Mittelalters in Irland ausgedrückt. Segen ganz handfest und ohne fromme Worte. Aber dafür mit einer sagenhaften Phantasie:
„Das himmlische Festmahl“,zugeschrieben der Heiligen Brigitte von Kildare, 10. Jahrhundert
„Ich möchte die Männer des Himmels bei mir zu Gast haben
und große Fässer voll Fröhlichkeit ihnen kredenzen.
Ich möchte die drei Marien, die Glorreichen, dabei haben;
die Leute aus allen Ecken und Winkeln des Himmels will ich bewirten.
Sie sollen lustig sein beim Trinken;
auch Jesus soll mit ihnen bei mir hier zu Gast sein.
Einen großen See von Bier will ich bereit haben für den König der Könige;
Ich möchte die Heilige Familie trinken sehen in alle Ewigkeit!“
Mal sehen, wer nachher hier vorbei kommt und durch die offenen Kirchentüre spitzt. Ich freu mich auf die Begegnung! Was ein Segen.
Ihr Thomas Schäfer

Karsamstag, 11. April 2020
Wie unwirklich

Wie unwirklich dieser Tag heute für mich. Karsamstag - herrlicher Sonnenschein - und doch ist alles anders. In der Karwoche fällt mir das noch mal deutlicher auf. Ich vermisse die Gottesdienste. Ich vermisse diesen Weg vom tiefsten Leid zur österlichen Auferstehungsfreude, diese Verdichtung der Gefühlslage in drei Tagen - tiefstes Leid - größte Freude ...
Dieser Virus, gerade macht er für mich alles gleich. Man versucht durch die Tage zu kommen, gefühlt gibt es keine Wochen - und keine Sonntage - die Nachrichten berichten als ersten von den Todeszahlen und welches Land gerade "vorne" dran ist. Gleichzeitig scheint es im Augenblick so zu sein, dass Deutschland als eines der wenigen Länder Europas an der "großen Katastrophe" vorbei schlittert.
Wie unwirklich! Ich freue mich auf den Alltag - hoffentlich kommt er bald zurück.
Auch eine Form von Auferstehung.
Also: Warten! Eben Karsamstag.
Ihr Peter Kolb

Karfreitag, 10. April 2020
Das Kreuz von Golgatha

„Passionsgeschichte mit Vorwort“. So nennen Bibelwissenschaftler das Markusevangelium manchmal – halb im Scherz. Es ist wirklich bemerkenswert: Jesu Worte, Werke und Wunder sind Markus wichtig. Er hat sie von überall her gesammelt und zusammengetragen, hat sie zu einem großen Buch zusammengefügt und damit die Textgattung „Evangelium“, so wie wir sie heute kennen, überhaupt erst erfunden. Doch von Anfang an, so wirkt es, hatte er vor allem das Ende im Blick. Kunstvoll setzt er die Leidensankündigungen Jesu immer da hin, wo man es aus den Augen verlieren könnte. Und er schildert die Passionsgeschichte in einer solchen Länge und mit so vielen Details wie sonst keinen Abschnitt in seinem Evangelium. Gerade heute bin ich Markus dafür dankbar: Schon von Anfang an hatte er das im Sinn, worum es heute im Kern geht. Bei ihm lesen wir heute im 15. Kapitel:
    22 Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte. 23 Und sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken; aber er nahm's nicht. 24 Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. 25 Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. 26 Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden. 27-28 Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. 29 Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, 30 hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! 31 Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. 32 Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch. 33 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. 36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! 37 Aber Jesus schrie laut und verschied. 38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. 39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! 40 Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, 41 die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Ich halte einen Moment lang in der Stille aus, was ich gelesen habe.
Dann bete ich:
Herr, großer Gott, ich danke dir für dein Wort.
Ich verstehe vieles nicht. Ich weiß nicht, was das alles bedeutet.
Dein Sohn ist tot. Er wurde misshandelt, verachtet und getötet – für mich und für die vielen.
Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!
Lass mich die Liebe spüren, gib mir, dass ich sie fassen kann.
Die Liebe, die du mir entgegenbringst, die dein Sohn ausgegossen hat am Kreuz an dem er stirbt.
Deine große Liebestat: Herr, stärke mich, sie zu bedenken.
Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Karfreitag
Ihr Vikar Tobias Mangold

Donnerstag, 9. April
Todestag Bonhoeffers

Heute vor 75 Jahren wurde der Theologe Dietrich Bonhoeffer von den Nationalsozialisten im KZ Flossenbürg ermordet. Als ich ein Jahr nach meiner Konfirmation mit unserer damaligen Jugendgruppe und unserem Pfarrer selbst an diesem Ort war, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass sich Glaube nicht naiv von der Welt abwendet, sondern sich dieser Welt stellen muss. Seitdem singe ich das bekannte Lied „Von guten Mächten“ doch mit einem anderen Gefühl. Nicht so nach dem Motto „Wer an Gott glaubt, dem kann keiner was“. Sondern eher: Mein Gott geht mit, auch in die tiefsten Ängste und Sorgen. Und der Lebensweg und die Gedanken Dietrich Bonhoeffers haben mich nicht mehr losgelassen.
Gerade einmal 39 Jahre konnte er alt werden. Dennoch: die Nazis konnten nicht verhindern, dass Bonhoeffer der deutsche Theologe geworden ist, dessen Schriften bis heute weltweit am meisten gelesen werden. Er ging den Weg vom Theologen an der Universität zum Pfarrer, der auch Vikare in seiner von den Nationalsozialisten eingeschränkten Welt ausbildete bis hin zum aktiven Engagement im Widerstand. Sicher war für ihn aber auch: er machte sich schuldig, wenn er mithalf, einen Menschen zu töten. Ebenso war er sich aber auch ganz sicher, dass er sich schuldig machen würde, wenn er hierbei nicht mithelfen würde.
Ihm war die Verantwortung wichtig, in jeder Zeit zu entscheiden und dann zu handeln. Ein kleines Glaubensbekenntnis passt vielleicht auch in diese Tage, er hat es damals zum Jahreswechsel 1942/43 für seine Mitverschworenen geschrieben: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“
Ich staune über einen solchen Gedanken, damals in persönlicher Not geschrieben. Seine Sätze zeigen weg von der Angst, der eigenen Befindlichkeit. Für uns heute: Vielleicht auch weg von dem Gefühl, wir könnten diese Krise nicht durchstehen.
Bonhoeffer setzt dagegen das Vertrauen. Doch, darauf vertraue ich: Gott gibt mir so viel Widerstandskraft, wie ich brauchen werde, daraus werde ich Kraft ziehen und die wünsche ich Euch und Ihnen auch!
Ihr Thomas Schäfer

Mittwoch, 8. April
Mir ist heute Morgen urplötzlich eine Geschichte durch den Kopf geschossen. Meistens hat das dann mit etwas Aktuellem zu tun, wenn ich solche Geistesblitze habe. So auch in diesem Fall.
Der Indianer und die Grille
Ein Indianer, der in einem Reservat lebte, besuchte seinen weißen Freund in der Großstadt. Er war verwirrt vom vielen Lärm, von der Hektik und von der schlechten Luft. Die beiden gingen die Straße entlang. Plötzlich blieb der Indianer stehen und horchte auf: “Hörst du ? ---- Nichts   --- Ich höre eine Grille zirpen”. “Du musst dich täuschen, hier gibt es keine Grillen. Und selbst wenn, dann würde man sie niemals hören bei diesem Lärm.”Der Indianer ging ein paar Schritte und blieb vor einem mit Efeu bewachsenen Haus stehen. Er schob die Blätter auseinander und fand die Grille. “Natürlich hast du die Grille zirpen gehört. Dein Gehör ist besser geschult als meines”, meinte der weiße Mann. Der Indianer schüttelte den Kopf: “Das Gehör eines Indianers ist nicht besser als das eines weißen Mannes. Ich werde es dir beweisen.”
Er griff in seine Tasche, holte ein Geldstück hervor und warf es auf den Gehsteig. Sofort blieben mehrere Leute stehen und sahen sich um. “Siehst du, mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen, liegt ausschließlich daran, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.”
Mir geht es so, dass ich jetzt bei dem schönen Wetter, wenn ich draußen bin, so viel „höre“. Nicht weil meine Ohren besser sind, sondern weil die Hintergrundgeräusche viel leiser sind. Die Welt ist plötzlich still – keine Flugzeuge, manchmal gar keine Autos und auch sonst wenig Lärm. Und da höre ich Töne aus der Natur, die sonst einfach untergehen, manchmal sogar von ganz weit aus dem Wald. Ab und zu bleibe ich dann ganz bewusst stehen und HÖRE einfach, lausche ...
Im Alltagstrubel nehmen wir normalerweise vor allem die Dinge wahr, auf die unsere Aufmerksamkeit gerichtet ist. Und auch da fallen ja viele Dinge derzeit weg.
Und plötzlich habe ich das Gefühl, in ein "Aufmerksamkeitsloch" zu fallen – ein Freiraum, der nicht gefüllt ist, weil das Nächste, das ich normalerweise im Blick haben würde, nicht geht, nicht machbar ist. Und so erwische ich mich manchmal tatsächlich dabei, wie ich etwas suche, worauf ich meine Aufmerksamkeit richten kann und will. Vielleicht nur die Fliege, die ihre Bahnen zieht und die mich sonst nur stören würde. Oder der Duft von manchen Sträuchern, der mir das erste Mal auffällt, obwohl ich schon seit Jahren daran vorbei laufe. Das Weniger, das zur Zeit ist, eröffnet neue Räume zum Entdecken und ich fühle mich fast ein wenig beschenkt.
Ihr Peter Kolb
Und noch eine Idee: Aus dem Dekanat stellen verschiedene Gemeinden kurze Filme auf Youtube ein. Für Kinder gibt es dazu die „Wuselkirche“, die auf dem Kanal der Bayer. Landeskirche zu finden ist: https://youtu.be/kRb74u6SSWI

Dienstag, 7. April 2020
Die Frage wird lauter: Wann wird wieder alles gut? Wie lange geht das noch so? Manchmal ist ganz klar, was gemeint ist. Die Ausgangsbeschränkung etwa. Die stört und schränkt ein, und die Frage steht im Raum: Wie lange muss das noch so sein? Doch darin steckt auch manchmal mehr: Die Angst vor der Ansteckung etwa. Wie lange muss ich die noch haben? Oder der drohende wirtschaftliche Abschwung mit all seinen Folgen: Wie lange wird der wohl andauern? Die Frage danach ist nur menschlich und überall zu finden.
Antworten dagegen finden sich kaum. Gestern gab es keine von Kanzlerin Merkel. Heute wird es keine geben, in keinem dieser Belange. Die Bibel gibt Antworten. Ganz verschiedene, aber oft ungenaue oder schwierige. Ich habe nicht oft das Gefühl, dass die Bibel die Fragen, die ich ihr stelle, ganz richtig versteht. Da bin ich oft noch selbst gefragt. Die Alten Propheten erwarten das Heil für Israel und die Welt meistens für einen Tag X – einen fernen (aber nicht allzu fernen) Tag, an dem die ganz großen Dinge geschehen werden. Frieden auf der Erde, Gott selbst steigt in Feuer, Rauch und Erdbeben auf den heiligen Berg herab und kämpft gegen die Feinde Israels, große Finsternis, ewiges Licht. Es wird einen neuen König geben, einen Sohn Davids, der auf einem Esel nach Jerusalem einzieht (Sacharja 9; Überhaupt sind die endzeitlichen Kapitel Sacharja 9 – 13 eine anspruchsvolle aber empfehlenswerte Lektüre). Doch es bleiben Fragen offen: So unklar wie das „Wann“ bleibt auch das „Was“ in Bezug auf das Heil, das uns erwartet.
Eine überraschend klare Zeitangabe findet sich bei Hosea im sechsten Kapitel. Da heißt es:
»Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden.
Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben.
Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; so gewiss wie die schöne Morgenröte bricht er hervor und kommt über uns wie der Regen, wie Spätregen, der das Land feuchtet.«

In 3 Tagen ist alles wieder gut. Hier traut sich jemand eine klare Ansage zu. Nicht: „An jenem Tage“ oder „Dereinst“, sondern „am dritten Tage“. So vertraut uns das aus dem Glaubensbekenntnis vorkommt, so fehl am Platz wirkt es hier. Eine solche Gewissheit kann doch keiner haben! Keine Krise dauert nur zwei Tage, dass am dritten alles wieder gut wäre. Das sagen alle Virologen, alle Wirtschaftsweisen, alle Helfer und Pfleger; und unser Menschenverstand sagt das auch.
Hoseas Sätze stimmen nicht. Und sind doch so schön. Und so wahr. Jesus hatte behauptet, er könne den Tempel in Jerusalem in drei Tagen einreißen und neu bauen. Und hat er das nicht auch?
Ihr
Vikar Tobias Mangold

Montag, 6. April 2020
Garten
Ein ungewohnter Palmsonntag: Während es in den letzten Jahren da besonders viele Kontakte zu den Gottesdienstbesuchern gab und viele Gespräche danach beim Kirchenkaffee, sitzen meine Frau und ich heute im Garten. In den letzten Tagen gab es einige schön warme Stunden, bestes Gartenwetter! Mit Lust und sogar etwas mehr Zeit haben wir gegärtelt, im Bereich der Gemeindewiese, im Steinbeet am Gemeindehaus und in unserem Pfarrgarten. Und es war stets ganz ruhig. Keine Motorsäge. Kein Stimmengewirr vom Schulgelände. Keine Flugzeuge am Himmel, die sonst kaum das Lauschen auf die Stimmen der Natur möglich machen. Dafür dieser Tage viele Vogelstimmen, täglich mehr, weil die Zugvögel allmählich landen. Ich staune, was alles wieder gedeiht, was blüht und wächst. Welche Kraft im Leben steckt!
In den Ostergeschichten wurde der Garten zur Begegnung mit dem Auferstandenen: Maria Magdalena wird von Jesus angesprochen und dann wird sie Auferstehungszeugin.
Ein Text fällt mir ein, irgendwann von einem Kollegen geschickt:

„Das wünsche ich dir
dass du empfangen mögest
den Besuch Gottes –
wahrnehmen den Großen und Fernen
ganz nahe bei dir in deinem Garten.
Im Blick einer Amselhenne, die ihre Eier brütet
im Stern von Margeriten und Gänseblümchen
im bebenden Leib einer Libelle über deinem Teich
in der Kraft und Dauerhaftigkeit deiner Steine
im Duft eines tauigen Morgens
im Aufgehen der Blüten deiner Passionsblumen
in der Zartheit der Tränenden Herzen
im Regen
im Wind.
Völlig seist du in deinem Garten
von deinem Gott umgeben
und immer wieder neu“
(Verfasser unbekannt)

In unseren Gärten und bei den Spaziergängen können wir auch vieles entdecken. Vielleicht empfangen wir bei der Gelegenheit auch Kraft für unser Leben, vielleicht empfangen wir auch Gott!      
Ihr Thomas Schäfer

Sonntag, 5. April 2020
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
ich plädiere heute am Palmsonntag dafür, dass sie sich heute etwas Gutes tun.
Etwas gönnen, das vielleicht schon lange in irgendeinem Schrank schlummert, das vielleicht einmal ein Geschenk war und das sie sich für einen besonderen Moment aufheben. Oder etwas machen, das ihnen so richtig Freude oder Entspannung oder Erholung verschafft, ein schönes Buch lesen oder bei einem Gläschen Wein einfach im Garten oder auf dem Balkon sitzen und in den schönen und vor allem so ruhigen Himmel schauen. Oder ….
Überlegen Sie ein Weilchen, ich bin sicher, dass ihnen was einfällt.
Warum? Der Predigttext für den heutigen Sonntag hat mich auf diese Idee gebracht. Jesus kehrt bei Freunden in Bethanien ein und eine Frau übergießt und salbt ihn mit kostbarem Nardenöl. Dazu muss man wissen, dass die Narde, ein Baldriangewächs nur im Himalaya-Gebirge wächst. So ein Fläschchen kostete damals so viel wie ein ganzer Monatsverdienst. Kein Wunder also, dass die Jünger sich wegen dieser „Verschwendung“ aufregen.
Jesus aber lässt dies geschehen und gibt eine bis heute unerwartete viel diskutierte Antwort: „Lasst sie, denn sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.“ Also, bei aller Sorge um Andere, es braucht auch die Sorge, das Kümmern um sich selbst. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern nur wenn es mir selbst gut geht, kann ich mich auch um andere „gut“ kümmern.
In diesem Sinne: Sorgen Sie heute einmal für sich selbst!
Ihr Peter Kolb

Samstag, 4. April 2020
Ich muss mich beschäftigen. Das Puzzle ist gepuzzelt, aus Radio und Fernseher kommt immer nur das Gleiche. Ich habe das Gefühl, ich kenne schon alle Videos, die Youtube und die Mediatheken zu bieten haben. Und gleichzeitig bleibt vieles liegen. Ich könnte mal wieder staubsaugen. Aber das geht morgen auch. Meine weißen Hemden gehören gebügelt. Aber wann werde ich die wohl erst wieder brauchen? Dass ich es schaffe, solche Kleinigkeiten trotz aller quarantäner Langeweile immer noch zu verschieben, das erstaunt mich. Aber da bin ich wohl ein Naturtalent im Prokrastinieren (extremes Aufschieben). Nach allem, was ich von Freunden und Familie gehört habe, bin ich damit aber nicht alleine. Es ist ein verbreitetes Phänomen und es ist frustrierend. Mir wird deutlich: Es liegt nur an mir. Keine Ausreden mehr, keine Zeitnot. Ich mag einfach nicht bügeln. Und deshalb tue ich es nicht.
Wie recht käme mir jetzt ein Boss, der sich Zutritt verschafft zu meinem „Home-Office“, der mir klare Aufträge erteilt und mit Strafen droht. Herrlich wäre das. Ich könnte so viel tun, wenn ich nur müsste.Das allein kann schon ein wohltuender Gedanke sein, aber er leitet mich auch auf eine andere Fährte: Wir Menschen, und insbesondere wir Christen, haben ja immer wieder ein widersprüchliches Verhältnis zu solchen Vorgaben, zu Befehlen und Gesetzen. Am treffendsten hat es Martin Luther formuliert:
Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.*
Diese beiden Sätze stehen in Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ ziemlich am Anfang und völlig unverbunden direkt hintereinander! Und beide, so legt er in den weiteren Kapiteln dar, stimmen. Auch ich kann beiden etwas abgewinnen. Meine Freiheit ist mir wichtig und ich erlebe viel Freiheit in meinem Glauben. Ich bin in der Taufe von aller Sünde rein gemacht, „zur Freiheit hat uns Christus befreit“ schreibt Paulus. Und doch: In meiner grenzenlosen Freiheit brauche ich Regeln, ich will bei aller Befreiung die Zehn Gebote nicht einfach in den Wind schreiben. Und wenn mich mein Gewissen an den Wäschekorb erinnert, dann entfaltet der Satz vom „dienstbaren Knecht“ eine ganz eigene, sehr lebensnahe Wirkung.
Es ist nicht leicht, den eigenen Freiheiten und Unfreiheiten, den Gesetzen und den Lücken darin immer angemessen zu begegnen. Aber wenigstens für mich ist es immer wieder wohltuend, sich über beides Gedanken zu machen, und Gott dankbar zu sein dafür, dass ich durch ihn ein freier Herr und jedermann untertan sein darf.
Ihr Vikar Tobias Mangold
*Nachzulesen ist der ganze Text Luthers unter www.luther2017.de

Donnerstag, 2. April 2020
Haben Sie auch schon etwas erledigt, was Sie schon immer mal machen wollten? Nein, ich meine jetzt nicht den Keller aufräumen oder endlich alle Hemden bügeln oder ein neues Beet im Garten anlegen.
Ich meine: Haben Sie sich Zeit genommen, mal was nachzusehen oder einer Spur nachzugehen, die Sie schon länger verfolgen wollten oder was Sie länger schon wissen wollten…
Meine Frau und ich haben immer mal wieder von einer Niederländerin gehört, die sehr nachdenkenswerte Sätze von sich gegeben hat. Nun haben wir uns Zeit genommen und diese Spur einmal verfolgt: Unsere „Zielperson“ heiß Etty Hillesum, sie lebte von 1914 bis 1943 und war Jüdin. Über sie ist viel weniger bekannt als beispielweise von Anne Frank. Sie studierte Slawistik und Psychologie. Die schwere Zeit der Besetzung der Niederlande hat sie mit Tagebucheinträgen gefüllt, jedenfalls so lange das ging bis sie nach Auschwitz deportiert wurde.
Mitte Juli 1942 schrieb sie in ihr Tagebuch: "Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt. (…) Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. (…) Mit fast jedem Herzschlag wird mir klarer, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen. Es gibt Leute, die nur ihren Körper retten wollen, der ja doch nichts anderes mehr ist als eine Behausung für tausend Ängste und Verbitterung. Und sie sagen: Mich sollen sie nicht in ihre Klauen bekommen. Und sie vergessen, dass man in niemandes Klauen ist, wenn man in deinen Armen ist".
Mich bewegt dieser Wechsel der Perspektive. Nicht Gott zu bitten, sondern ihm zu helfen durch das eigene Tun, vielleicht auch das Beten. Ja, scheinbar die ganze Welt wird von der Corona-Krise in den Klauen gehalten. Aber wir hoffen als Christinnen und Christen auch auf ganz andere Kräfte, die da am Werk sind. Wir freuen uns über Nachrichten der gegenseitigen Hilfe und Solidarität. Wir sehen da vielleicht auch Menschen, die gerade Gott helfen. Und wir hoffen darauf, dass die Welt und unser kleines Leben nicht nur in den Klauen einer Krise ist, sondern in Gottes Armen ist.
Welcher Spur wollen Sie heute nachgehen? Welche Perspektive vielleicht auch einmal wechseln?
Ihr Thomas Schäfer

Mittwoch, 1. April 2020
Gerührt haben unsere beiden Kinder (3+5) heute Morgen eine Videonachricht vom Lehrer der Musikalischen Früherziehung des Kindergartens angesehen. Für unseren Großen war es die erste Botschaft aus dem Kindergarten seit nunmehr drei Wochen. Er war ganz still, versteckt konnten wir ein paar Tränchen in seinen Augen erkennen und wir wussten seine Reaktion erst gar nicht zu deuten. Er auch nicht – bis wir ihm halfen, seine Gefühle zu sortieren. Er hat sich total gefreut, gleichzeitig wurde ihm aber plötzlich klar, was alles gerade nicht ist, nicht stattfindet, welche Freunde er gerade nicht sehen kann, wen und was er vermisst. So geht es uns allen irgendwie.
Was für ein Glück, dass wir die neuen Medien haben. Sie halten Verbindung. Skype, Zoom oder Jitsi, sie verbinden auf einmal: Zu den Großeltern und Cousins, Freunden oder Arbeitskollegen. Mit den Jugendmitarbeitern haben wir letzte Woche schon die KABUM-Freizeit vorbereitet und auch im Kirchenvorstand haben wir uns jetzt für die nächste Sitzung via Bildschirm verabredet. Vor 20 Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen.
Jetzt in der Krise ist so Vieles plötzlich ganz anders. Dinge, aber auch bestimmte Kontakte mit Menschen erhalten einen neuen Wert, dessen man sich vorher gar nicht bewusst war. Oder sie  verlieren ihn auch, weil er gerade nicht fehlt oder weil die Beziehung nicht trägt oder auch, weil der Umgang mit dieser Ausnahmesituation plötzlich Unterschiedlichkeiten und Trennendes aufzeigt, das im „normalen“ Alltag einfach nicht aufgefallen ist.
So ist es! Manchmal zu Tränen rührend und manchmal zum Nicht-mehr-Aushalten!
Seien Sie gnädig – mit sich selbst und mit den Anderen!
Ihr Peter Kolb

Dienstag, 31. März 2020
So langsam gewöhnt man sich daran. Ich finde es unglaublich, wie schnell das geht. Vor 20 Tagen wurde in den meisten Schulen noch unterrichtet. Man war besorgt, verwirrt, aber unterwegs. Bars, Geschäfte, Schwimmbäder waren auf und gut besucht – heute kaum vorstellbar. Seit 8 Tagen gilt eine Ausgangsbeschränkung in Bayern, im Rest von Deutschland ein Kontaktverbot. Das wiederum war bis vor wenigen Wochen auch völlig unvorstellbar. Gott sei Dank: Wir können das. Es kam zu keinen Protesten auf der Straße, wir sind nicht in völlige Verzweiflung gefallen. Nein, sondern #wirbleibenzuhause! Wir haben uns nach einigen Schwierigkeiten am Anfang schon jetzt darauf eingestellt und machen mit. Wie schön! Natürlich: Die Belastungen sind hoch, seien es psychische oder seelische, durch die Mehrarbeit oder die Beschränkungen. Aber ich finde es wirklich bemerkenswert, wie insgesamt friedlich alles wirkt.
Diesen Frieden gilt es jetzt zu halten, auszubauen, zu festigen und durchzusetzen. Und das geht nur durch Kommunikation. Miteinander reden ohne sich zu treffen. Wir haben die Zeit dafür und wir haben es – so glaube ich – nötiger denn je. Gerade diese angespannte Lage zuhause, mit einer unsichtbaren Bedrohung im Hintergrund, kann ein Stresstest für die Beziehungen untereinander sein, in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft. Da helfen die vielen Möglichkeiten, die wir heute für die Kommunikation haben. Aber nur wenn wir sie benutzen.
Die Telefonanbieter melden einen starken Anstieg der Gesprächsminuten und der Verbindungen. Wir telefonieren wieder! Auch ich mache Telefon-Dates aus und freue mich, die vertrauten Stimmen zu hören. Auch Briefe sind eine gute Möglichkeit, Nähe zu schaffen über die Distanz. Daneben gibt es noch all die neuen Angebote. Gerade erlebt zum Beispiel das Programm „Zoom“ für Computer wie für Smartphones eine stärkere Verbreitung. Mit Zoom lassen sich ohne viel Technisches Know-How Video-Konferenzen abhalten. So kann man sogar an getrennten Orten miteinander Brettspiele und Karten spielen! Ich bin gespannt, was sich da noch alles entwickeln wird…
Es sind bemerkenswerte Zeiten. Bleiben Sie behütet!
Vikar Tobias Mangold

Montag, 30. März 2020
Dominanz des…
Aufregung im Land: Wie lange noch? Wie lange soll und kann das noch so weitergehen mit dem Herunterfahren aller Beziehungen, dem Schließen der Geschäfte und der Kultureinrichtungen?
Eine heftige Diskussion ist angebrochen in unserem Land. Sie wird nicht nur auf höchster Ebene der Politik und Wirtschaft und in den Nachrichtenredaktionen geführt: Auch jede Familie fragt sich, auch wir in der Kirchengemeinde fragen uns: Wann können wir wieder planen? Wann können wir wieder live miteinander Gottesdienst feiern, wann können Menschen wieder ihre Kinder zur Taufe bringen, ihre Hochzeit feiern und die Konfirmation unserer Jugendlichen?
Wer soll eine Antwort finden? Alles blickt auf die Aussagen der Virologen in Deutschland und ihren Rat für Politik und Wirtschaft. Da höre ich schon kritische Stimmen: Hängt nun alles von den Virologen ab? Dominanz durch die Virologen?
Eine Stimme sagt: Endlich! Schließlich geht es um die lebenswichtige Frage der Gesundheit! Endlich andere Wissenschaftler als die Wirtschafts-wissenschaftler und die ewige Dominanz der Wirtschaft. Schmerzlich müssen viele ja gerade erleben, wohin uns das geführt hat: Zwar Wohlstand für viele auf der einen Seite, aber um welchen Preis? Was wurde an Produktion alles ins Ausland verlagert, was jetzt hier dringend gebraucht wird… Vielleicht auch eine Chance für einen grundsätzlichen Wandel, wenn wir auch auf andere Wissenschaftler hören, vielleicht eine neue Chance für den Klimaschutz?
Noch eine gute Nachricht im Land: Die allermeisten halten sich an die für diese schwere Zeit als Ausnahme vorgegebenen Regeln. Die Polizei muss nur in wenigen Ausnahmefällen einschreiten.
Und weitere gute Nachrichten: Menschen nähen für einander Schutzmasken und Schutzkleidung, vielleicht nicht 100% Sicherheit, aber dennoch eine Hilfe für viele. Menschen helfen einander beim Einkaufen, ja auch beim Denken und Beten füreinander. Dominanz von Gemeinschaftssinn! Eine gute Nachricht und die Hoffnung, dass das noch einige Zeit so bleiben möge. Dass wir Schwieriges nur miteinander überstehen. Der Apostel Paulus hat dafür das schöne Wort: „Einer trage des anderen Last“ geprägt. Auf dass wir niemanden vergessen, bei dem das Mittragen wichtig ist!
Ihr Thomas Schäfer

Sonntag, 29. März 2020
Liebe Leserinnen und Leser, Liebe Gemeindeglieder,
das Evangelium für den heutigen Sonntag spricht eigentlich für sich. Die Jünger, genauer Jakobus und Johannes, wollen sich einen ewigen Platz an der Seite Jesu sichern. So stellen sie Jesus diese Frage, die eigentlich eine Bitte ist: "Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit".
Die anderen Jünger, als sie das mitbekommen, ärgern sich verständlicherweise. Da hält ihnen Jesus eine Vortrag, würden wir vielleicht heute sagen. Seine Kernaussage ist vielen Christinnen und Christen wohl bekannt:
"Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein" (Markusevangelium 10, 43).
Das ist ein Wort, das zu allen Zeiten aktuell ist, in diesen Tagen aber vielleicht doch besonders. Denn sehr viele sind momentan auf die Rücksicht von Anderen angewiesen. Patienten, die auf eine "normale" OP warten und verschoben werden, die Alten auf die Rücksicht der Jüngeren, die Menschen in den Heimen auf die Vorsicht der Pflegerinnen und Pfleger, usw.
Das Alles ist nicht einfach. Gestern Abend ist meine Frau nach zwei Wochen das erste Mal wieder einkaufen gegangen und ich habe ihr halb im Spaß, halb ernst mitgegeben, die Lage "da draußen" mal zu sondieren. Das klingt schon fast schon wie in einem Science Fiction, habe ich mir dann gedacht.
Für viele, die in beengten Verhältnissen wohnen - oder alleine - oder wo es vielleicht in einer Beziehung kriselt oder in der Familie - wird es dann oftmals "bitterer" Ernst. In unserer Familie erleben wir das auch, dass die Nerven doch manchmal blank liegen. Ich nehm' mich dann einen Moment raus oder Atme tief durch oder besinne mich, was jetzt von mir verlangt ist. Und das ist eben mit den Worten Jesu gut beschrieben.
Als Pfarrer tue ich das ja professionell, mich in den Dienst der anderen zu stellen. Indem ich Menschen gut zuspreche, indem ich diese Zeilen schreibe, indem ich gemeinsam mit den Kollegen neue Wege des Kontakts, der Kommunikation suche und vieles andere. Für mich als Leiter der Notfallseelsorge zur Zeit auch in der Mitarbeit im Katastrophenschutz.
Da merke ich, das gelingt mir wesentlich leichter, als dann zu Hause. Klar, in der Familie ist man sich näher, auch emotional - im Schönen, aber eben auch im "Bösen". Denn man kennt sich. Eben auch, wie man sich triggern, ärgern kann. Lässt im engsten Kreise Etikette, Höflichkeit und Freundlichkeit fallen. Da sind zwar dann die schönen Momente schöner, aber die Verletzungen, die man sich antun kann eben auch gravierender.
Also: Wer in diesen Tagen "groß" sein will - an Persönlichkeit, an Charakter - der sei der Diener - zumindest der Menschen um ihn herum.
Herzlichst ihr Peter Kolb

Samstag, 28. März 2020
Ich mag Musik. Gerade jetzt, in dieser eingeschränkten und angespannten Zeit höre ich viel, gerne und laut, rauf und runter durch meine CD-Sammlung. Und ich singe mehr. Beim Arbeiten am Schreibtisch, im Bad oder wenn ich am Reuschberg spazieren gehe. Und gerade die alten Kirchenlieder kommen mir da am häufigsten in den Sinn. Vielleicht, weil ich die schon so oft gesungen habe als Kind. Singen tut gut – ganz egal welches Lied. Musik zu erleben oder selbst zu machen, das macht fröhlich und es macht frei. Ich kann aussuchen, was ich höre, was ich singe. Musik nimmt mich heraus aus meinen eigenen vier Wänden, die langsam immer enger wirken. Lieder regen an, zur Bewegung aber auch zum Nachdenken.
Frühlingslieder stehen bei mir grade hoch im Kurs, das versteht sich von selbst. Daneben gibt es aber auch eine andere Kategorie, die mich gerade inspiriert, beschäftigt und erfreut. Wir befinden uns in der Passionszeit – der (nach Weihnachten) musikalischsten Zeit im Kirchenjahr. Die großen Passionskonzerte sind abgesagt, das hat sich schon früh abgezeichnet. Aber es gibt so viele herrlich alte und tiefsinnige Passionslieder in unserem Gesangbuch. „O Haupt voll Blut und Wunden“ etwa – schaurig schön und intensiv. Ich kann nicht den ganzen Text auswendig und bin froh, dass ich ein Gesangbuch zuhause habe, ich könnte aber auch zur Not im Internet nach dem Text schauen und ihn mir sogar ausdrucken.
Eine Strophe lautet:
Es dient zu meinen Freuden
und tut mir herzlich wohl,
wenn ich in deinem Leiden,
mein Heil, mich finden soll.
Ach möcht ich, o mein Leben,
an deinem Kreuze hier
mein Leben von mir geben,
wie wohl geschähe mir!

Bizarr. Der Text spricht von Todessehnsucht, von der Freude daran, sich selbst im Leiden Jesu am Kreuz zu sehen. Was singe ich da? Was singen wir da, jedes Jahr in der Passionszeit? Ich habe dazu zwei Gedanken:
1. Diese Worte sind schwer zu verdauen. Und haben doch recht. Im Kern unseres Glaubens steht, dass Christus für uns gelitten hat und gestorben ist. Darin besteht unsere Hoffnung im Glauben. Es passt also gut, wenn wir uns diesem Leiden auch mit einem Blick ohne Angst, dafür mit viel Dankbarkeit und Wohlwollen zuwenden.
2. Dieser Text ist geschrieben als Liedtext. Er will nicht studiert oder vorgelesen, sondern gesungen werden. Der Ton macht die Musik. Die Melodie zu diesem Lied, vielleicht haben Sie sie gerade im Ohr, ist nicht schrecklich oder niedergeschlagen. Sie hat auf mich immer ruhig, intensiv und fast ein wenig verliebt gewirkt. Sie verklärt den Text nicht in ein strahlendes Dur, aber sie erklärt ihn als eine innige Meditation. Das Lied ist ein Moment der Anbetung und der Nähe zu Gott. Und die ist bizarr, und warm, und intensiv, und voller Liebe. Das wünsche ich uns allen in diesen Tagen.
Vikar Tobias Mangold

Freitag, 27. März 2020
Gute Worte finden …
Wie oft reden wir sonst miteinander, streiten, diskutieren, reden auch mal aneinander vorbei. Aber wir reden miteinander. Irgendwie ist auch das anders geworden, wenn wir überwiegend zuhause bleiben müssen. Wenn ich beim spät nachmittäglichen Spaziergang dann einen anderen Menschen treffe, lächeln wir uns beide meistens zuerst einmal zu! Schön, dass wir uns sehen. Und dann wird sich natürlich ausgetauscht!
Irgendwie hat jedes Wort live gesprochen, eine neue Qualität bekommen oder wir spüren zumindest, wie wichtig das ist. So sehr richtig die Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckung gerade sind, als Mensch läuft es uns total entgegen, uns so zurückzuziehen. Und eigentlich ist auch so eine Homepage oder eine E-Mail nur ein schwacher Ersatz für das Miteinander reden bei Besuchen, an der Kirchentür oder nach dem Gottesdienst beim Kirchenkaffee.
Doch finde ich auch per E-Mail manchmal gute Worte, wie ein schönes Gebet, dass mir Freunde geschickt haben. Wer nachlesen und mitbeten will, es ist zu finden unter: https://www.youtube.com/watch?v=sGe8heGSlQk&feature=youtu.be
Gute Worte, die ausdrücken, was einen bewegt und die hoffen, bei Gott Gehör zu finden. Es tut gut, sie weiterzugeben, sie nachzusprechen oder sie vielleicht auch für andere Menschen zu sprechen. Versuchen Sie es doch auch damit und schreiben Sie mir, wie es Ihnen damit ergeht!
Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Thomas Schäfer

Donnerstag, 26. März 2020
„Papst ruft Gott um Hilfe“ – diese Überschrift habe ich gestern gleich mehrfach gelesen und irgendwie bin ich darüber gestolpert. Beim weiteren lesen habe ich dann verstanden, dass es darum geht, weltweit Mittags um 12 Uhr ein Vater Unser zu beten und Gott um seinen Beistand zu bitten. Für Christinnen und Christen jedenfalls eigentlich das völlig Normalste: Beten – noch dazu das Vater Unser – und Fürbitte halten.
Was hat mich also stolpern lassen? Es ist die Formulierung. Sie klingt wie „Gesundheitsminister ruft Bundeswehr um Hilfe“ oder „Deutschland ruft Nato um Hilfe“. Und jetzt - die weltweit größte kirchliche Institution, der Papst, ruft Gott um Hilfe. Dann muss es ganz schön schlimm um die Welt stehen?!
So, als ob keine innerweltliche Macht mehr helfen kann.
Nun, so schlimm ist es nicht. Wir haben uns gut vorbereitet, unzählige Menschen stellen sich in den Dienst der Gemeinschaft, im Gesundheitswesen und der Pflege, dem Rettungswesen genauso wie unzählige Freiwillige, die sich nun auf die zahlreichen Aufrufe melden.
So gab es vom Bodensee gestern einen Aufruf im BR, dass Erntehelfer dringend gesucht werden. Und keine paar Stunden später wurde dann schon vermeldet, dass sich bereits mehr als genug Menschen gemeldet hätten. Danke!
Die Idee, zum Mittagsläuten ein Vater Unser zu beten, ist natürlich auch gut. Eigentlich schon eine jahrhundertealte christliche Tradition. Schön, wenn sie zu neuem Leben erweckt wird.
Bleiben Sie behütet, Ihr Peter Kolb

Mittwoch, 25. März 2020
"Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!" Jesaja 29,16
Ich kann mich gut erinnern: Als Kind war ich oft bei meinen Großeltern. Mir hat es da immer gut gefallen und die Zeit hat mich stark geprägt. Ein Ritual, das ich jetzt gerade wieder für mich entdecke, war da immer das lesen der Herrnhuter Losung aus dem blauen Losungsbuch. Bei meinen Großeltern war das immer am Frühstückstisch vor dem Tischgebet dran. Ich hab gern zugehört, darüber nachgedacht und gestaunt. Gestaunt habe ich, dass sie sich nie darüber unterhalten haben, was da stand. Diese Sätze waren einfach da, im Raum, am Tisch, bei uns. Oft waren auch keine Fragen offen. Es sind oft ganz klare Sätze, manche ganz wichtig und zentral in den biblischen Geschichten, manch andere eher Randbemerkungen, die mich dann amüsierten.
Die Losung von heute ist ein bisschen anders. Hier könnten Fragen offen bleiben. Hier ist nicht gleich alles klar. Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts! - Jesaja 29,16
Wer spricht? Jesaja? Spricht Gott durch ihn? Und wer ist angesprochen? „Wie kehrt ihr alles um!“ Da schimpft jemand, das ist keine Frage. Aber was ist der Vorwurf? Die Angesprochenen, das Volk Israel, ist der Ton. Der Ton behauptet, er würde seinen Töpfer nicht kennen. Haben die Israeliten gesagt, sie würden ihren Schöpfer, ihren Gott nicht kennen? Oder haben sie gesagt: Er versteht nichts? Vielleicht haben sie es nicht so gesagt. Vielleicht haben sie es so gelebt. Als wäre nicht Gott der Ursprung ihres Lebens sondern etwas anderes, oder gar sie selbst.
Die Wissenschaft der Exegese, der Auslegungskunst, könnte hier sicher viele Seiten füllen. Ich setze mich gedanklich lieber an den Frühstückstisch von damals und lasse es einfach so stehen - im Raum, am Tisch, bei mir. Während ich weiter durch den Tag gehe, lasse ich den Vers wirken, so wie er es möchte. Vielleicht mache ich noch Platz für den Lehrtext: Einen Vers aus dem Neuen Testament, der zur ausgelosten Losung bewusst ausgesucht wurde.
Alle miteinander bekleidet euch mit Demut. – 1. Petrus 5,5
Liebe Grüße und einen gesegneten Tag
Vikar Tobias Mangold

Dienstag, 24. März 2020
Zeitansage aus den Medien, der Politik und Ratschläge der Kirchenleitung: Daheim bleiben, auf neudeutsch „social distancing“. Und ich staune: die allermeisten Menschen halten sich daran und zeigen Verständnis für alle diese drastischen Maßnahmen.
Und doch freue ich mich, auch andere Paare oder einzelne beim nachmittäglichen Spaziergang (nicht nur erlaubt – sondern empfohlen!) zu treffen. Ein kurzer Wortwechsel auf Distanz, Austausch von Eindrücken und ein Lächeln in den Gesichtern, das brauchen wir doch alle.
Alte Zeitansage im Kirchenjahr: Fastenzeit, auf kirchendeutsch: „Passionszeit“. Sich dem Leben auch in seinen dunklen Seiten und Negativerfahrungen stellen und es bewusst annehmen. In den letzten Jahren haben Menschen das Fasten in vielen Dimensionen wiederentdeckt, nicht nur was das bewusster Essen angeht.
„7 Wochen ohne“ – die Aktion der evangelischen Kirche lautet in diesem Jahr: „7 Wochen ohne Pessimismus“. Auf der passenden Homepage www.7wochenohne.evangelisch.de erscheint auch jeden Tag ein Kommentar. Selten hat wohl ein Motto so getroffen. Es lebt sich wirklich leichter und bewusster – ohne Negativgedanken! Denn mal ehrlich: die kosten viel Kraft und ihr Muster „ich kann ja eh nichts tun“ stimmt einfach nicht. Viel können wir gerade tun: Aneinander denken, füreinander einkaufen, miteinander telefonieren..… - das vielleicht alles auch bewusster. Und weniger produzieren und konsumieren, vielleicht ist das ein „Schöpfungsfasten“, über das sich Gottes Schöpfung freut und gerade etwas aufatmet.
Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Thomas Schäfer

Montag, 23.03.2020
Woche Zwei im Zeichen von Corona. Die Krise schlägt aufs Gemüt, keine Frage.
Mit unseren Kindern versuchen wir viel draußen zu sein. Gott sei Dank ist es in unserer ländlich strukturierten Gegend ja gut möglich, auf Abstand zu bleiben. Aber es ist gar nicht nötig. Denn „draußen“ ist es fast menschenleer, gespenstisch leer. Unser Großer machte sich schon Gedanken, wo denn die Menschen auf einmal alle sind? Die Menschen verkriechen sich, ziehen sich in ihre vier Wände zurück. Das ist nachvollziehbar in Zeiten von Krisen, in denen man nicht weiß, was noch kommt. Trotzdem, Spazierengehen, Joggen, oder auch einfach auf einer Bank sitzen und den Sonnenschein genießen, alleine oder im Kreise der engsten Familie, das ist ja alles erlaubt.
Wir gehen jetzt gleich in den Wald, unsere Kinder wollen auf Bäumen balancieren und klettern. Das ist gerade in diesen Zeiten das vielleicht beste Therapeutikum. Die neuesten Meldungen rufen wir jedenfalls nur einmal am Tag ab, damit wir informiert sind. Liveblog und Newsticker ziehen einen nur runter und erhöhen den Stresspegel, ohne dass wir was tun oder an der Situation ändern können.
In Zeiten ohne Internet und erst recht ohne Fernseher war das anders. Da kam einmal ein Reiter vorbei, vermeldete die schlechten Nachrichten, man regte sich auf, ängstigte sich vielleicht und dann ging man wieder seiner Alltagsbeschäftigung nach. Für das Gemüt war das jedenfalls erträglicher.Also, bleiben Sie gesund – und das heißt auch, die Seele zu schützen.
Ihr Peter Kolb

Sonntag, 22. März 2020
Ein Geistergottesdienst Sonntags im ZDF – Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm predigt, so hört man es im Radiogottesdienst des DLF vor einer fast leeren Bremer Kirche. „Geistergottesdienste“ in Anlehnung an die „Geisterspiele“ der Fußball-Ligen. Ein Geisterspiel vor leeren Rängen. Kein Fan klatscht, singt oder grölt. Keine Fahnen, keine Gesichter keine Emotionen. Gespenstisch leer. Die Leere gähnt, die Stille dröhnt. Unnatürlich ist das. Es fühlt sich nicht richtig an. Beklemmend, so ein Geisterspiel. Nicht weniger schade ist es, wenn Gottesdienste so ablaufen müssen. Es soll doch gerade ein Fest der Gemeinde sein, ein Zusammenkommen und Feiern. Gemeinsam vor Gott und Gemeinschaft im Glauben erleben. Bei einem Geistergottesdienst fehlen nicht die Zuschauer. Es fehlt der Gottesdienst.
Aber es passiert doch etwas! In uns, die wir Anteil nehmen. Sei es vor dem Fernseher oder dem Radio; Sei es bei einem Lied, das uns auf den Lippen liegt oder beim Aufschlagen der Bibel; Sei es bei einem kurzen Moment des Innehaltens in Dankbarkeit und Gottvertrauen. Dann feiern wir, dann feiert unser Geist: Einen kleinen Geistergottesdienst. Auf der Seite www.Kirchenjahr-Evangelisch.de findet man für jede Woche liturgische Texte, Lieder und kurze Impulse, und jetzt neu auch eine Handreichung zum Feiern eines eigenen kleinen Geistergottesdienstes.
Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten Sonntag, guten Mut und gute Gesundheit, und den ein oder anderen erhebenden kleinen Geistergottesdienst.
Vikar Tobias Mangold

Samstag, 21. März 2020
Das Leben soll jetzt möglichst innerhalb der vier Wände stattfinden. Alles tun, was unnötige Kontakte zur Außenwelt vermeidet. Auf einmal viel Zeit. Ein Wochenende ohne Gottesdienst hier in der Kirche oder ein schönes Konzert. Mit den Schwiegereltern nur am Telefon reden. Doch: Durch unser überlegtes Verhalten sorgen wir für die Gesundheit anderer. Irgendwie kommt einem der Gedanke: Etwas für die seelische Gesundheit wäre auch nicht verkehrt!
„Die Seele nährt sich von dem, worüber sie sich freut“. Ein Satz des Kirchenlehrers Augustin. Er lebte im 5. Jahrhundert, viele Menschen waren ihm als Bischof anvertraut. Mit diesem Satz hat er – so finde ich – ins Schwarze getroffen, was die Kräfte der Resilienz angeht. Resilienz, das Wort, das die persönliche Widerstandskraft bezeichnet, die uns zur Krisenbewältigung hilft.
Und gleichzeitig gibt Augustin uns dazu eine gute Richtung: Alles tun, was „die Seele erfreut“: vielleicht endlich mal Zeit haben für ein gutes Buch, die umfassende Lektüre der Wochenendausgabe der Tageszeitung, mal wieder ausführlich telefonieren…
Da mag jede und jeder selbst nachspüren, was der Seele guttut. Und da wird uns sicher etwas einfallen!
Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Thomas Schäfer

Donnerstag, 19. März 2020
Mein Name ist Tobias Mangold. Ich bin Vikar in Schöllkrippen und darf an den täglichen Impulsen auf unserer Gemeinde-Website mitarbeiten. Wir möchten dazu beitragen, dass das jetzt so wichtige Abstandhalten nicht zu weit geht; dass der räumliche Abstand zwischen uns keine Gräben durch unsere Beziehungen zieht.
Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Viele sagen: Niemand von uns hat das. Das meint aber nicht in erster Linie das Virus. Zu Recht verweisen viele darauf, dass es solche Viren schon gab, und wir auch mit SARS und anderen Krankheiten fertig geworden sind. Was ich noch nie erlebt habe, das sind die Maßnahmen, die Staaten auf der ganzen Welt ergreifen, um die Menschen, ihre Gesundheit, ihr Leben und ihren Wohlstand zu schützen: Grenzen werden geschlossen, Schulen, Geschäfte, Fabriken, Büros, Kirchen. Und das zu einem einzigen Zweck: „Social Distancing“ Abstand schaffen zwischen Menschen. Die Krankheit überträgt sich von Mensch zu Mensch. Wir sind gegenseitige Gefährder. Bei einer Symptomfreien Inkubationszeit von zwei Wochen, in denen man das Virus haben und verbreiten, aber kaum erkennen kann, muss ich mir eingestehen. Ich bin eine Gefahr. All die Maßnahmen schützen nicht nur mich vor der Ansteckung der Anderen: Sie schützen andere vor mir. Ich bin Teil des Problems, einfach weil ich biologisch Mensch bin. Teil der Lösung bin ich – und das ist bitter – wenn ich mich von anderen Fern halte.
Das ist kein schöner Gedanke. Weder tröstlich noch nett. Dass ich, mein „Menschsein“ ein Problem darstellen könnte, das höre ich nicht gern. Das lasse ich selten an mich heran. Heute sagt es uns die Medizin. Seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Christliche Tradition damit. Die Kirche hat versucht mit verschiedensten Gedankengängen und Beispielen, sich der Frage zu nähern: Ist der Mensch ein Problem? Und wenn ja: Was dann?
Der Mensch ein Problem: Theologisch, Medizinisch, Ökologisch. Die unausweichliche Folge: Pessimismus, Zynismus, bis hin zum Ekel vor mir selbst. Ich sage Nein. Nein zu alldem. Die Folge war eine andere: Gott hat genau diesen Menschen angenommen. Das Problem. Die Krankheit. Gott ist genau so ein Mensch geworden und zeigt uns damit seine Sicht der Dinge: Wir mögen sein was wir sind – gesund, krank, gefährdet, Gefährder, ängstlich, dankbar oder wütend – wir sind seine geliebten Kinder. Und das dürfen wir spüren. Und das dürfen wir zeigen. So wie Gott uns nahe ist, ohne dass wir ihn sehen, können wir anderen Menschen nahe sein, sie annehmen wie sie sind, mit ihnen Kontakt halten und uns um sie kümmern. Mich macht das dankbar und es lässt mich ruhig werden. Ich mag eine Gefahr sein, für meine Nachbarn, Eltern und Großeltern. Aber ich bin nicht nur das. Wir alle sind mehr als das.
„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ 1. Brief des Johannes, Kapitel 3 Vers 1
Vikar Tobias Mangold

Mittwoch, 18. März 2020
Viele Bilder prägen unsere Wahrnehmung, gerade jetzt in diesen Tagen.
Die Bilder der singenden und musizierenden Menschen in Italien auf ihren Balkonen hat sich mir besonders tief eingeprägt. Bei allen notwendigen Nachrichten und berechtigtem Bedürfnis nach Information und neuesten Zahlen zum Corona-Virus hat diese Nachricht für mich doch auch einen ganz besonderen Informationswert: Dass wir Menschen auch noch ganz andere Kräfte und Phantasien in uns tragen. „Der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn traut mein Herz und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich und ich will ihm danken mit meinem Lied.“ So singt ein Beter des 27. Psalms in uralter Zeit.
Ich denke an die Menschen auf ihren Balkonen und sage ganz spontan: „Gott sei Dank“ für diese Phantasie und diesen Ausdruck von Lebensfreude. Und diese Bilder sagen mir: Es gibt noch etwas anderes als der sorgenvolle Blick auf Zahlen, das Erschrecken über Nachrichten und beinahe unglaubliche Dummheiten, sie sich im Netz verbreiten. Es gibt Lebensfreude auch jetzt. Ja, wir leben nicht in Italien, haben vielleicht noch nicht einmal einen Balkon. Aber Lieder und Melodien können wir dennoch summen, pfeifen, singen – je nach Lust und Laune und eigenem Können. Vielleicht spüren wir dann auch eine andere Stimmung, eine neue Kraft und ein Stück Lebenslust. Das wird uns dann helfen, das an Nachrichten zu verdauen, was kommen wird.
Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Thomas Schäfer